Ade Perfektionismus

Kennst du auch den Drang, alles besonders perfekt machen zu wollen? Wie du merkst, ob der Perfektionismus gut oder schlecht ist, ob das Perfektionismus-Biest dich gar bremst und welche fiesen Mechanismen hinter Perfektionismus stecken.

Wohl jeder hat ein Bild von sich im Kopf, das dem idealen Selbst entspricht: ein Luxuskörper, der alle neidisch macht, aber keinerlei Aufwand wie Sport benötigt, die perfekte gemütlich wie IKEA-aber-doch-ein-bisschen-designiger-Wohnung, wallende Haare, super gepflegte Nägel, einen Durchstarter-Job, ein Freundeskreis, der bereichernd und kreativ ist und einem gleichzeitig das Gefühl gibt, dringend gebraucht zu werden, ein Liebesleben, das…ach hören wir besser damit auf 😉 Was ich meine, ist ein Leben wie aus den Hochglanzmagazinen, die ich seit Jahren nicht mehr lese.

All diese Versuche, das Leben perfekt zu machen, ein perfektes Äußeres, ein inspirierendes Umfeld, eine ideale Karriere, kommen aus dem tiefen Wunsch, glücklich zu sein und akzeptiert zu werden. Doch ganz ehrlich: perfekt zu sein bedeutend nicht glücklich zu sein. Als ich das begriffen habe, habe ich einen ziemlich radikalen Schritt gewagt. Aber dazu gleich mehr!

„Perfektion“ oder „perfekt“ sind Schlagworte aus der Werbung oder dem Lebenslauf und gehören meiner Meinung nach aus unseren Gedanken verbannt. Weil Perfektion eine Illusion ist. Ich glaube, ich muss dir nicht erklären, dass nichts auf der Welt perfekt ist, vor allem nicht wir Menschen. Und das ist vollkommen ok, das macht uns zu den schillernden, vollkommen unterschiedlichen Charakteren, die wir sind.

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In Filmen und Büchern sind meist diejenigen die Heldinnen, die Macken und Makel haben. Egal ob Lizzy aus Stolz und Vorurteil, Lorelei von den Gilmore Girls oder Sophia von Girlboss: ihr Unperfektheiten machen sie erst besonders.

Doch gleichzeitig gibt es unter uns Mädels immer noch diejenigen, die sich keine Fehler erlauben. Die verzweifeln, wenn Dinge nicht so laufen wie geplant. Und die extreme Maßstäbe an sich setzen: die sich aus Zeitmangel am Morgen lieber schminken statt zu frühstücken, um gut auszusehen. Statt den Mund aufzumachen und zu sagen, dass es ihnen nicht gut geht, lieber beinhart durchhalten. Statt ihre Wünsche in den Mittelpunkt zu stellen, lieber das tun, was verlangt wird.

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Eine Reihe von Frauen zeigt, wie toll es sich Leben lässt, auch wenn man hier und da Anzeichen von Unvollkommenheit zeigt: allen voran die wunderbare Lena Dunham, die mutig in ihrer Serie „Girls“ Sexszenen trotz Cellulite dreht. Sie beweist, dass Frauenkörper abseits von 90-60-90-Maßstäben ganz wunderbar sind. Und dass ein Leben mit kleinen Macken und Fehlern auch überraschend, mit Sinn erfüllt und einfach großartig sein kann.

Laut Wikipedia ist Perfektionismus „das Streben nach Vollkommenheit“ oder eine „übertriebene Fehlervermeidung“. Es gibt verschiedene Modelle zum Perfektionismus, eine einheitliche Definition gibt es nicht.
Spannend dabei ist, dass es zwei Arten gibt: Gewissenhaftigkeit, die aus einer inneren Motivation herrührt, also dem eigenen Wunsch, etwas besonders gründlich oder gut zu machen. In diesem Zustand erlebst du Perfektion als etwas tolles: also wenn du perfekt vorbereitet und organisiert in ein schwieriges Gespräch gehst und dich hinterher richtig gut fühlst oder du ein Projekt bis in’s kleinste Detail ausgearbeitet hast und ganz genau weißt, dass es ein Erfolg wird. Yeah für diesen Zustand!
Die andere Art des Perfektionismus ist die, bei der manche Leute etwas ungemütlich werden: verbissen, unfair, unsympathisch. Diese Art des Perfektionismus äußert sich bei den Perfektionisten durch eines: Angst.

perfect ist the enemy of done, done is better than perfect

Die furchtbare Angst davor, einen Fehler zu machen. Der Frage, was die anderen denken könnten. Und einem schädlichen Arbeitspensum.
Manche Leute fangen wegen solchen Zuständen gar nicht erst mit Dingen an, weil sie von vornherein glauben, dass es eh nicht gut wird.

Zum Thema Perfektionismus hat die Forscherin und Autorin Brene Brown eine ziemlich prägnante Zusammenfassung geliefert: „Perfectionism is the voice of the oppressor“. Damit ist gemeint, dass wir durch unseren Drang, alles perfekt machen zu wollen, eigentlich auf die Stimmen hören, die uns geprägt haben: die Leute, die uns in Sachen Karriere, Lebensziele, Äußeres und Wertvorstellungen eingebläut haben, wie der Hase läuft. Und häufig beruht der Wunsch, es perfekt zu machen, auf Angst vor Fehlern oder dem tiefen Wunsch, es diesen Personen recht zu machen.

Frage dich also, wessen kleine Stimme du bei deinem Perfektions-Wahn in deinem Kopf hörst. Ist es deine Mutter, die immer Ordnung gepredigt hat? Möglicherweise dein Vater, der nie so wirklich an dich geglaubt hat? Die große Schwester, die dir ein perfektes Äußeres vorgelebt hat und dem du nie ganz gerecht geworden bist? Oder der Bruder mit der steilen Karriere? Du versuchst also, es jedem Recht zu machen.
Aber der Perfektionismus ist ein Biest, das sich sich bändigen lässt. Indem du lernst, die Stimmen zu hinterfragen. Hat die Stimme, die dir sagt, dass deine Arbeitsmoral nicht ausreichend ist, vielleicht einfach unrecht und du verdienst in Wirklichkeit eine Pause? Tu was dir gut tut!

Und die abfällige Stimme deines ehemaligen Profs, die dir eintrichtert, dass du sowieso kein Talent hast? Vergiss den Kerl!

Es ist ein befreiendes Gefühl, die Mechanismen hinter Perfektionismus zu verstehen. Wenn du immer nur dem Perfektionismus-Biest folgst, machst du alle anderen glücklich, aber nicht die Person, die dir am wichtigsten sein sollte: dich selbst.
Für mich hat das bedeutet, dass ich meinen festen Job gekündigt habe und nun beruflich meinen eigenen Weg gehe. Und meine Güte, ich hatte anfangs auch mit Stimmen in meinem Kopf zu kämpfen! Dass ich mich im Beruf einfach nur mehr anstrengen muss, dann wird das schon! Dass eine geregelte Festanstellung Sicherheit gibt und ich mich freuen müsste, einen doch ach so perfekten kreativen Job zu haben. Andere haben es viel schwerer…bla bla bla.
Ich habe auf mich selbst gehört und wenn solche Stimmchen mal wieder stören, frag ich mich, wessen Stimme das grad ist und sage höflich aber bestimmt „Tschüss!“ zu ihr.

Better an ops than an what if

Natürlich werde ich nicht alles perfekt machen, wenn ich selbstständig bin. Es wird mit Sicherheit das eine oder andere Problem auf mich zukommen. Möglicherweise werde ich das ganze Selbstständigkeits-Ding mit Karacho gegen die Wand fahren. Aber wenigstens werde ich es dann ausprobiert haben.

Fail harder, learn harder

Sei also gnädig zu dir selbst und zu anderen, wenn mal ein Fehler auftritt oder es nicht rund läuft. Und lerne aus Fehlern. Fehler sind eine wunderbare Möglichkeit, sich zu entwickeln.

Fazit
Perfektionismus zeigt sich auf unterschiedliche Art und Weise: Neigst du einfach nur zu pingeliger Gewissenhaftigkeit oder ist es eher die problematische Angst, dass jemand dich nicht mehr akzeptiert, wenn du dir einen Fehler erlaubst? Hinterfrage die Mechanismen, die hinter dem Wunsch stehen, alles perfekt machen zu wollen und höre auf dein Bauchgefühl.

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