stahlpink Geld Ben White/ unsplash/ Edited by Margarethe Prokofiev

Die Beziehung zu Geld – eine Hassliebe!?

Hast du auch das Gefühl, dass Geld eine mysteriöse Sache ist, von der du eh nie genug hast? Diese Einstellung muss aber gar nicht sein. Wie du eine bessere Beziehung zu Geld entwickeln kannst


Seit einiger Zeit beschäftigt mich das Thema Geld in besonderem Maße. Der Übergang von der Studentin zur Angestellten hat vor allem eins gebracht: monatlichen Lohn. Das war nach den kargen Studentinnen-Jahren ein tolles Gefühl. Aber ich habe auch gemerkt, dass ich eine etwas verkorkste Beziehung zum Geld habe. Nun bin ich selbstständig, möchte das Business, das ich aufbaue, nicht durch falschen Umgang mit Geld an die Wand fahren und versuche mir meiner Beziehung zum Geld klar zu werden. Denn bei meiner Beschäftigung mit dem Thema Geld hat sich gezeigt: die Zahlen auf unserem Konto sind irgendwie auch ein Abbild unseres Selbst. Und leider ist dieses Bild manchmal eine Hassliebe.

Ich bin in einem Haus groß geworden, in dem es immer alles gab. Spielzeug, hin und wieder shopping-Touren und natürlich monatliches Taschengeld.

Aber mir war auch immer klar, dass meine Eltern hart für das Geld arbeiten und dass wir keinen Goldesel im Keller haben.

Mein Taschengeld war immer gleich weg für Schokobrötchen und Schluch. Und als junge Erwachsene war es ähnlich: ich war ein absolutes Sale-Opfer und habe mein Geld oft für mehr oder weniger unnötige Impuls-Käufe verprasst. Wie so viele dachte ich, ich spare dabei, während ich munter die Kassen der Modeunternehmen klingeln ließ. Wohlstand oder Reichtum war für mich ein Ding der Unmöglichkeit und höchstens durch einen Gewinn im Lotto zu erreichen.

Gleichzeitig schob sich auch immer etwas Angst und Sorge in meine lieblose Beziehung zu Geld. Wird es im Alter reichen? Werde ich für immer von einem Monat zum nächsten Leben, immer mit dem dämlichen Spruch auf den Lippen “Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig”.

 

Geldmangel ist weltweit der Hauptgrund für Stress. Solchen Stress kenne ich nur zu gut und ich habe mir ganz fest vorgenommen, dass Geldsorgen mir keinen Stress mehr bereiten werden.

Es gibt einige wichtige Erkenntnisse, die ich über meine Hassliebe zu Geld erlangt habe:

1. Es gibt viele Tipps, die sich einfach nicht lohnen
In einem Geld-Podcast wurde der Tipp gegeben, an Geld zu schnuppern, um es zu erkunden. Nein, Danke! Klar ist es positiv, eine gute Beziehung zu den Scheinchen zu pflegen, aber ich möchte sie weder beschnuppern, noch ablecken, noch mit in’s Schlafzimmer nehmen. Solche Experimente, genauso wie Geld in kuriose Anlagen zu investieren, lasse ich lieber bleiben.

2. Das Universum verschenkt kein Geld
Ein weiterer Tipp, den ich tatsächlich ausprobiert habe, war Geld mit Freude in Umlauf zu bringen. Es heißt, dass Geld fließen soll, in Bewegung sein soll und wir es ausgeben und dabei Glück empfinden sollen, weil es garantiert zurück kommt.

 

Ich habe versucht, das zu verinnerlichen und war zwei Wochen lang richtig schön essen, shoppen, auf Kurztrips. Habe das Geld mit so viel Freude in Umlauf gebracht, wie es nur ging. Das Leben in Saus und Braus hat aber leider dazu geführt, dass ich gegen Mitte des Monats finanziell in die Röhre geguckt hab. Ups, das Geld vermehrt sich ja gar nicht, je mehr man davon ausgibt. Das Universum lässt den Kontostand nicht auf magische Art ansteigen, nur weil ich mir happy deppy diese schöne neue Jeans und dazu die Handtasche gekauft habe. So läuft es nicht. Geld ist kein magisches Objekt mit direktem Draht zum Universum, dass einfach so zunimmt, nur weil man es sich wünscht. Wäre es so, gäbe es keine Armut. Nein, Geld ist sehr rational. Das war eine Lektion, die etwas schmerzlich war, aber nötig.

3. Aufmerksamkeit
Wenn du deine Beziehung zu Geld verbessern möchtest, ist der erste Schritt, deine Aufmerksamkeit dahin zu lenken. Wie viel hast du wirklich monatlich zur Verfügung? Was ist auf welchem Konto? Wofür gibst du Geld aus? Ohne diese Parameter zu kennen wird es schwierig. Also schau genau hin, was dir überhaupt zur Verfügung steht und checke, ob du dir deine Lebensweise leisten kannst. Und dann freu dich über das geile Erwachsenen-Gefühl, das sich einstellt, sobald du deine Finanzen überblickt hast. Jetzt hast du alles unter Kontrolle, Baby!

4. Die Kunst des Sparens
Für mich war Sparen immer ein Faszinosum. Meine Einstellung war: ich hab doch eh so wenig, wie soll ich denn da noch was sparen? Also schien mir das Sparen als Studentin total abwegig. Daher waren aber auch keine tollen Reisen drin und wenn mein Laptop kaputt war, mussten natürlich meine Eltern wieder aushelfen. Ich habe zwar während des Studiums gejobbt, habe mir deswegen aber auch gerne was gegönnt.

Geändert hat sich das langsam, mit dem ersten Job nach dem Studium. Da habe ich mir über einen Dauerauftrag monatlich einen festen Betrag auf ein extra angelegtes Konto überwiesen. Aber um ehrlich zu sein, habe ich auch viel auf dieses „Ersparte“ zurück gegriffen. Mir war einfach nicht richtig klar, wofür ich spare und daher habe ich es einfach ausgegeben.

Diese Einstellung hat sich erst geändert, als ich einen festen Wunsch hatte, für den ich gespart habe. Ich wollte aus dem Beruf aussteigen und mich selbstständig machen. Der Wunsch war so stark, dass es leicht war, auf vieles zu verzichten. Und plötzlich wurde mir klar: auch ich kann sparen!
Dinge, die mir vorher lebensnotwendig erschienen, habe ich eingespart. Jeden Monat eine kleine Shopping-Tour, um mich für meine harte Arbeit zu belohnen? Ist weg gefallen. Der wöchentliche Restaurant-Besuch am Freitagabend? Lieber zu Hause kochen.

Also zusammengefasst: setze dir ein konkretes Ziel, wofür du sparst. Und dann klügel aus, worauf du verzichten kannst. Vielleicht fällt es dir auch gar nicht auf, dass du einen bestimmten Betrag pro Monat weniger hast, weil du es sonst sowieso nur für Konsumgüter wie Kleidung ausgegeben hättest (also mir ging so). Sparen ist wirklich nicht schwer.
Das gute alte Sparschwein wird dafür aber nicht ausreichen, da es dich nur verlocken wird, hin und wieder daraus zu klauen. Dein Erspartes sollte auf ein extra Konto, am besten ein kostenloses.

5. Glaubenssätze
Wir alle haben bestimmte Meinungen über uns selbst, die wir vielleicht gar nicht bewusst bemerken. Diese Glaubenssätze haben einen großen Einfluss darauf, was wir von uns selbst halten.

Das Thema Geld ist durchtränkt von Glaubenssätzen. Sei es, dass man kein Geld verdient, dass Geld etwas mysteriöses ist, das nur die anderen haben, und es einem einfach nicht zusteht, Geld zu haben. Das klingt brutal, aber so gehen wir mit uns selbst um.

Mein verinnerlichter Glaubenssatz war: ich kann nicht mit Geld umgehen. Kaum dass ich es habe, ist es schon wieder weg. Weil sich auf meinem Konto viel tut, von dem ich nichts bemerke (Abbuchungen für Miete, Strom, etc.) während ich es schon freudig ausgebe. Und plötzlich ist nichts mehr da und das zeigte mir immer wieder auf’s neue, dass ich es einfach nicht drauf habe, mit Geld umzugehen.

In einem interessanten Interview mit Money-Coach Ivonne Senn sagte sie, dass unsere Glaubenssätze in Bezug auf Geld viel über die Beziehung zu uns selbst aussagen. „Es ist nie genug“ bedeutet eigentlich: „Ich bin nicht genug“. Oder „Ich verstehe das Geld nicht“ bedeutet: „Ich verstehe mich selbst/ die Welt nicht“.

Das fand ich sehr einleuchtend und das zeigt, dass wir erst an uns arbeiten müssen. Selbstliebe und Vertrauen entwickeln, um eine bessere Beziehung zu Geld zu erlangen.

Nicht umsonst ist Donald Trump, das Sinnbild der Selbstliebe, steinreich. Das bedeutet aber nicht, dass du wie Donald Trump werden sollst!

6. Emotionen
Verbindest du auch Angst mit Geld? Angst, dass das Geld im Alter knapp wird? Oder Sorge, dass es nicht für die Miete langt? Und Unsicherheit, weil es ja doch immer so schnell weg ist…

Bei mir kommt zu alledem auch noch ein schlechtes Gewissen. Weil meine Eltern mich im Studium finanziell unterstützt haben und ich jedes Mal, wenn ich mal wieder knapp bei Kasse war, um Geld bitten musste. Somit habe ich mit Geld ein wahnsinnig schlechtes Gewissen verbunden.

Diese negativen Emotionen sind kein Grund, für immer in Geldnot zu sein. Ich versuche sie mir einfach bewusst zu machen und zu hinterfragen. Und Geld mit mehr Positivem in Verbindung zu bringen. Ich bin dankbar, es zu haben. Und meine Eltern haben mich gerne unterstützt und ich bin mir sehr sicher, dass ich ihnen diese Wertschätzung eines Tages zurück geben kann, auf welche Art auch immer.

7. Die neue Bedeutung von Geld
Geld ist nichts anderes als Wertschätzung. Für uns selbst, aber auch für andere. Ich bezahle Dienstleister, die etwas für mich tun. Ich kaufe Produkte, die mir gefallen. Und gleichzeitig bekomme ich Geld von anderen Menschen als Wertschätzung dafür, was ich mache.

Ich hatte lange das Gefühl, dass Geld mit Mangel versehen ist: es hat bei mir einfach oft nicht gereicht. Dabei ist auf der Welt eigentlich genügend Geld für alle im Umlauf, es ist bloß ungleich verteilt. Also es gibt eine Fülle an Geld und das sollten wir uns klar machen.

Und es ist auf keinen Fall so, dass Geld den Charakter verdirbt. Geld verstärkt bloß schon bestehende Neigungen. Wenn du ein netter Mensch bist, der gerne nachhaltige Produkte einkauft, viel spendet und Gutes tut, wirst du dein Geld auch weiterhin so einsetzten. Und das ist total wertvoll. Ich gönne solchen Personen einen Haufen Geld, keine Frage.
Andersrum ist es aber so, dass narzisstische Gigolos mit gelben Haaren leider Arschlöcher bleiben. Mit und ohne Geld.

Es klingt furchtbar pathetisch, aber wir können Geld auch wie eine liebe Freundin behandeln. Dankbar sein und Respekt haben. Und es nicht verdammen.

 

Fazit
Das Geld wird dir nicht zufliegen, wenn du es dir nur fest genug wünscht. Man muss natürlich auch etwas dafür tun, um es zu verdienen.

Aber ich glaube es ist so wichtig eine gute Beziehung zum Geld zu haben. So lange du eine Hassliebe zu Geld hast, wird es auch schwer sein, dir selbst welches zuzugestehen. Das kann in Gehaltsverhandlungen relevant sein, aber auch als Selbstständige, die ihre Preise zu gering ansetzt. Ich selbst habe mir das naive und optimistische Ziel vorgenommen, dass 2017 das letzte Jahr sein wird, in dem ich eine verkorkste Beziehung zu Geld habe. Ich arbeite dran!

Hast du auch ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich? Oder hattest du schon immer eine freundschaftliche Beziehung zu Geld? Und hast du noch weitere Tipps parat? Immer her damit, in den Kommentaren!

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  1. Toller Artikel zum Thema Geld. Jeder steht ja irgend wie anders dazu, am Ende kommt es auf jeden selbst an, was daraus gemacht wird.

    • Danke Steffi! Und ja, du hast total recht, jeder ist seines eigenen Finanzpolsters Schmied 😉
      Liebe Grüße
      Maggie

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