stahlpink bist du froh eine Frau zu sein? Rolle der Frau

Bist du froh, eine Frau zu sein?

Bist du auch einerseits froh, eine Frau zu sein und andererseits manchmal entmutigt, weil Frauen es immer noch schwerer haben als Männer? Möglicherweise entgeht dir dabei, dass es noch jemanden gibt, der dir das Leben als Frau schwer macht: du selbst.

Ich bin wirklich froh, eine Frau zu sein. Ich schreibe es mit voller Überzeugung, die ich durch den Genuss von bunten Kleidern, verrückten Nagellackfarben und verschiedensten Lippenstiften als begründet erachte. Gleichzeitig hatte ich es auch oft schwer, eine Frau zu sein. Nicht nur, weil es einem als Frau manchmal immer noch schwer gemacht wird. Sondern auch, weil ich es mir manchmal selbst schwer mache.

Ich wurde stark feminin erzogen. Brav und hübsch sollte ich sein. In meiner Familie herrscht die Überzeugung vor, dass „Frauen Frauen und Männer Männer sein müssen“. Mit allen dazugehörigen Rollenklischees à la Frau ist nett anzusehen, schmeißt den Haushalt und Männer sind stark und dominant und verdienen das Geld.

Ich habe schon früh das unbestimmte Gefühl gehabt, dass das irgendwie blöd ist. Trotzdem konnte ich als Kind und Jugendliche gegen eine solche Sozialisierung nichts tun und war vor allem nicht immun dagegen. Ich bin in ein Rollenmuster erzogen worden (nichts gegen meine Eltern, sie haben ihr Bestes getan), das seine Spuren hinterlassen hat. Oder wohl eher tiefe Gräben.

Ich mag nicht ohne Schminke aus dem Haus gehen. Ich mag mich nicht mit kurzen Haaren und ich mag es nicht, wenn die Wohnung unordentlich ist. Ich weiß, dass das doof und oberflächlich ist, aber es ist so, ich kann nicht aus meiner Haut. Und es geht nicht nur mir so, dass die weibliche Rolle samt dazugehörigen Verhaltensmustern stark die Persönlichkeit eingeprägt ist. Blöderweise führt diese Tendenz über typisch weibliche Vorlieben wie Ordnung und hübsche Kleider hinaus, sie kann uns auch auf unserem Weg einschränken.

Die Werbung von always ist eine, die die wenigsten Frauen wohl ohne weiteres weg klicken können. Sie zeigt, was Männer, Jungs und Frauen davon halten, “Like a girl” zu sein. Es wird als Beleidigung, Erniedrigung betrachtet. Werden junge Mädels danach gefragt, wird eine ganz andere Einstellung zum Mädchensein sichtbar: nämlich, dass Mädels auch stark sein können. Dieser kurze Clip zeigt ganz deutlich, dass die meisten Weiblichkeit mit Schwäche gleichsetzen, sogar die Frauen.

Bei dem sogenannten Rotationstest kamen ähnliche Ergebnisse zu Tage: dabei wurde den weiblichen Studienteilnehmern einerseits gesagt, dass ihr räumlich-visuelles Vorstellungsvermögen untersucht wurde. Sie schnitten bei dem Test erst einmal schlecht ab, was klar dem Bild der Frau von sich selbst entspricht: dass sie ein schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen hat.
Wurde ihnen allerdings vorher gesagt, dass es sich um einen Empathie-Test handelt, schnitten die Frauen bei dem selben Test sehr viel besser ab.
Das zeigt ganz deutlich, dass viele Frauen, nicht nur ich, unbewusst versuchen, ihrer anerzogenen oder von der Gesellschaft vorgegebenen Rolle zu entsprechen. Vielleicht ohne es zu merken. Und die damit leben, dass eingebrannte Rollenklischees sie innerlich die Bremse anziehen lassen.

Anscheinend gibt es ständig einen unbewussten Filter, durch den wir unsere Handlungen orientieren. Passt das jetzt zu mir als Frau? Entspricht das meinem eigenen Rollenverständnis?

Letztens auf einer Party wurde es sehr spät und gegen drei Uhr wendete sich das Gespräch plötzlich politischen Themen zu. Ich war schon etwas müde, habe aber überrascht fest gestellt, wie sich ein super toughes Mädel in die Diskussion um Politik einschaltete, sich zu tollen Argumenten hochschwang, stark Position bezog und allen anderen Beteiligten – nur Typen – argumentativ die Hosen auszog. Ich hörte dem Gespräch zu, während ich – typisch für mich – in der Küche stand und brav die Gläser abspülte. Und ich frage mich, warum ich nicht auch mit diskutierte, warum ich den blöden Spüllappen nicht einem rumstehenden Typen in die Hand drückte, meine anerzogene Sorge um schmutziges Geschirr nicht mit dem Spülwasser runter spülte und meine Sicht der Dinge zum Gespräch beitrug.
Aber nein, nicht diesmal.

Das hat mir gezeigt, dass ich meine eigenen Glaubenssätze bezüglich meines Geschlechtes hinterfragen muss und mich öfter trauen sollte, aus der Weiblichkeit auszubrechen.
Klar, Persönlichkeit und anerzogene geschlechtsspezifische Verhaltensmuster sind schwer voneinander zu trennen. Aber wir sollten uns angewöhnen, unsere eingefahrenen Muster auch mal zu hinterfragen: Mach ich das jetzt nur, weil ich als Person das möchte? Oder weil ich meine, dass das zur weiblichen Rolle einfach dazu gehört? Bin ich das selbst oder mein anerzogener Glaube? Diese Fragen können in Freundschaften eine Rolle spielen, in der Familie und Partnerschaft, aber vor allem auch im Beruflichen, wo Frauen ja doch immer noch oft lieber im Hintergrund bleiben und die Männer machen lassen.

Traue ich mich, meine Meinung in nächtlichen Partygesprächen selbstbewusst zu vertreten? Beim nächsten Mal bestimmt! Gewöhne ich es mir an, den lästigen Abspülquatsch auch mal andere übernehmen zu lassen? Ja unbedingt! Und lasse ich mich vom braven und hübschen kleinen Mädchen in mir bremsen? No way!
Frauen können nämlich auch stark und selbstbewusst sein, sie müssen sich nur trauen.

Fazit
So gerne man Frau ist, lohnt es sich, die eigenen Rollenvorstellungen so gut es geht zu hinterfragen und auch mal mutig zu durchbrechen. Sich auszuprobieren und die Klischees wegzuspülen.

Hast du auch schon ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht? Findest du es auch manchmal schwer, aber eigentlich ziemlich schön eine Frau zu sein?

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  1. Ein schöner Artikel! Ich mag die Fragen, die du aufwirfst, sehr gerne. Denn selbst wenn wir dem Thema Gender scheinbar aufgeschlossen gegenüberstehen und – zumindest theoretisch- wissen, dass wir Frauen keinen deut schlechter sind als Männer, so macht uns das Frau sein ja doch auch als Persönlichkeit aus. Ich hoffe du bringst mit diesem Post einige Mädels zum Nachdenken 🙂

    • Hallo Tanja,
      vielen Dank für deinen Kommentar, auch auf Instagram 😉 schön, dass du das ähnlich siehst! Hatte ja irgendwie die Sorge, dass es nur mir so geht und ich die einzige bin mit dem paradoxen Gefühl, gerne eine Frau zu sein, mir damit aber auch oft im Weg zu stehen.
      Liebe Grüße!
      Maggie

  2. Toller Artikel! Ich mag Menschen, die sich selbst kritisch reflektieren und ein solch schwieriges Thema von mehreren Seiten beleuchten. Vielleicht ist das eine wunderschöne neue und positive Form der Emanzipation ❤️
    Ich bin auch sehr froh, eine Frau zu sein, habe immer geglaubt, dass ich die perfekte Hausfrau und Mama sein würde. Als ich diese Rollen dann tatsächlich hatte und ausfüllen sollte, wurde mir klar, dass mir das nicht reicht. Hat ganz schön lange gedauert, bis ich das begriffen habe 😉

    • Hallo Lene, Danke für deinen Kommentar!
      Die Rolle als Hausfrau und Mutter kenne ich selbst noch nicht, finde es aber sehr spannend, da dabei die Rolle der Frau auf ganz andere Art gefordert wird.
      Liebe Grüße!
      Maggie

  3. Hallo Maggie,
    ein wirklich interessanter Artikel so wie aber auch alle anderen auf deinem Blog!
    Ich bin auch gerne eine Frau aber Ich wurde auch nicht nach dem klassischen Rollenbild erzogen. In der heutigen Zeit kann man als Frau so leben wie man möchte und das tue ich aber ich treffe auch immer wieder Menschen die in ihren Rollen gefangen sind.

    • Hallo Susan,
      Danke dir für das Lob, das freut mich sehr!
      Ja stimmt, es ist ein riesen Privileg in der heutigen Zeit zu leben, früher hatten es die Frauen ja noch deutlich schwerer.
      Liebe Grüße
      Maggie

  4. Ich bin zu 100 Prozent gern eine Frau, manchmal sogar gerade weil es nicht immer einfach ist. Ich glaube, wir leben gerade in einer sehr interessanten Zeit, in der sich etwas bewegt. Es gibt mir irgendwie etwas, dabei mitzuarbeiten (Ich hoffe, das würde ich auch tun, wenn ich ein Mann wäre, aber sicher bin ich mir natürlich nicht …). Je mehr mir klar wird, wie viel noch bis zur wirklichen Gleichberechtigung fehlt, desto mehr merke ich, wie ich generell toleranter werde. Früher hab ich mich selbst fertig gemacht, wenn ich nicht in die gleiche Hosengröße passte wie meine Freundinnen und hab erleichtert mitgekichert, wenn die Gruppe über ein anderes Mädel hergezogen hat (besser die, als ich). Heute seh ich das anders und reagiere anders … und das ist nur ein Bereich von vielen. Ich habe vor kurzem geheiratet. Es ist faszinierend mit wie vielen Klischees man so konfrontiert wird, nur weil man heiratet. Ich habe zum Beispiel meinen Namen behalten – großes Entsetzen bei meiner Schwiegermutter! Ich bin alleine zum Altar gelaufen und hab mich nicht “führen” und “meinem Ehemann übergeben” lassen. Wieder großes Entsetzen bei manchen (nicht bei meinem Vater im übrigen). Aber es ist auch interessant, was für einen großen Effekt es hat, wenn wir sogar in unserem kleinen Rahmen festgefahrene Frauen-Klischee-Dinge einfach mal anders machen. Weil wir das so wollen und weil wir das grade für richtig halten.
    Danke für Deinen tollen Beitrag zu diesem Thema! Sehr stark! Und das nächste Mal, legst Du aber echt den Spüllappen hin! 😀

    Liebe Grüße
    Christina

    • Hey Christina,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar und den Einblick in deine Einstellungen!
      Ich finde es so befreiend, durch den Beitrag zu merken, dass es anderen Frauen ähnlich wie mir geht. Und du hast absolut recht, wir leben in einer wahnsinnig spannenden Zeit und es ist ein Privileg, entscheiden zu dürfen, wie viel konservatives Rollenverhalten wir ausleben. Aber es ist zum Glück eine Entscheidung und ich finde es so erfrischend, von dir zu lesen, dass du einerseits geheiratet hast, aber andererseits ganz klar entschieden hast, alleine zum Altar zu gehen und deinen Namen zu behalten. Finde ich total stark!
      Ganz liebe Grüße und einen tollen Start in die Woche!
      Maggie

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