Sechs Monate Insta-Pause. That‘s why!

Sechs Monate Insta-Pause. That‘s why!

Aus der #megamutigmail vom November 21:

Na, hat mich jemand vermisst? Ich habe Instagram Anfang Mai in einer Nacht- und Nebelaktion verlassen und eine mini kleine Lücke im Internet hinterlassen. Wahrscheinlich wurde meine mini kleine Lücke im Instagram-Kosmos schneller gefüllt als ich „Achtsamkeit“ sagen kann. Trotzdem hier ein kurzer Bericht, wie es dazu kam und ob ich komplett durchgedreht bin (Spoiler: no) oder warum es überhaupt dazu kam. 

Spulen wir mal zurück auf dem Tape dieses Jahres (Video-Tape-Spulgeräusche vorstellen bitte!). Es war immer noch Corona, ich hatte einen Online-Shop mit Schmuck, Papeterie und neuerdings Pullis und habe mich jeden Tag mit Instagram beschäftigt. Ich habe versucht, nebenbei jeden Tag gestalterisch zu sein (meistens hab ich auf meinem iPad gezeichnet) und ebenfalls „nebenbei“ hatte ich einen Job in einer Spielwarenfirma, der mir sehr am Herzen lag (den Job hab ich immer noch). Nun könnte man meinen: das klingt alles vielleicht büssel viel, war das etwa ein Instagram-burn-out? Ne. Tatsächlich war mir alles zu viel und ich war arg überlastet. Aber mein Ausstieg hatte viel mehr mit einem Charakterzug von mir zu tun und der Art und Weise, wie diese App funktioniert. 

Du musst wissen, ich habe kurz vorher ein Business-Coaching gemacht und dort wurde mir gesagt, dass ich meinen Account um einiges wachsen lassen muss. Ich wusste, wie wichtig Insta für meinen Online-Shop war. Ich merkte selbst: sobald ich etwas cooles Neues postete, gab es Verkäufe in meinem Shop. Dieser Zusammenhang war klar wie die berühmte Kloßbrühe. Ebenfalls kurz vorher hatte ich einen Instagram-Kurs gemacht und wusste, wie ich meinen Account wachsen lassen konnte: eine kombinierte Strategie aus 1A-Content, der auf meine Zielgruppe zurecht geschnitten war und täglicher Interaktion mit ebenjener. Hashtags durchgehen, liken, auf die Katzenfotos irgendwelcher Fremder reagieren. Das habe ich tatsächlich (neben allem anderen) eine Weile lang jeden Tag gemacht. Jeden Tag ein Foto, oder besser noch ein Video, in die Maschinerie schmeißen und hoffen, dass es dem Algorithmus schmeckt. Denn darum ging es irgendwie nur noch: um den Algorithmus. Das Schreckgespenst eines jeden Instagrammers. 

Hatte ich darauf Lust? Zuletzt nicht mehr. Null. Meine Motivation, auf dieser App zu sein, schrammte am Nullpunkt. 

Noch dazu wusste ich, wie schlecht das für meine mentale Gesundheit war, mich jeden Tag mit den gestylten und perfekten Lebensausschnitten anderer zu umgeben. Auch wenn ich wusste, dass das meiste Fake und potentiell gestellt und/oder gephotoshoppt und/oder total übertrieben und/oder nur Pose war: ich konnte nicht umhin, mich mit anderen zu vergleichen. Vor allem anderen Online-Shops oder Marken, bei denen es scheinbar noch besser lief als bei mir selbst. Dabei sollten diese kleinen Online-Shops und Marken eigentlich meine Freunde sein, nicht meine Insta-Neidobjekte.   

Die tägliche Beschäftigung mit Insta führte auch dazu, dass ich in meinem mini Business Dinge machte, „weil alle anderen es machten und es bei denen scheinbar gut läuft“. Heiaja. Ich wurde in Richtungen geinfluenced, die ich mit meinem Shop wohl nicht eingeschlagen hätte, wenn ich nicht jeden Tag auf dieser App unterwegs gewesen wäre. Die ständige Beschäftigung mit dem Leben und dem Content anderer führte dazu, dass ich gar nicht mehr wusste: was will ich selbst? Und das alles ohne es zu merken. Im Nachhinein sehe ich das recht klar, doch als ich mittendrin steckte, merkte ich das gar nicht.

So weit so gut. Die Foto-App kann einem miese Laune bereiten - das wissen wir wohl alle mittlerweile. Bei mir kam erschwerend allerdings noch ein weiterer Faktor hinzu, der das „Ich-höre-jetzt-auf“-Fass so richtig zum Überlaufen gebracht hat. Nach längerer Beschäftigung mit mir selbst (andere würden das wohl Persönlichkeitsentwicklung nennen) und der intensiven Frage, warum ich in manchen Dingen so ticke, wie ich ticke (das kann ich jedem empfehlen) kam ich zu einer wichtigen Erkenntnis, auch ganz unabhängig von Instagram und dem Stress drumherum. Die Erkenntnis war, dass ich ein Thema mit Anerkennung habe. Ich suche danach und bekomme schlechte Laune, wenn ich sie nicht erhalte. Dass ich das erkannt habe, hatte den einfachen Entschluss zur Folge: es reicht. Bis hierhin und nicht weiter.

Das zu checken, ist ein großes Aha-Erlebnis gewesen und daraufhin habe ich in einem Reflex alles beendet, das meinem Streben nach Anerkennung diente. An erster Stelle: Instagram. Die App ist eine Anerkennungs- und Geltungsbombe und seit ich das erkannt habe, sehe ich viele Accounts und Influencer mit ganz anderen Augen. Es kostet Zeit, Content zu erstellen, Bilder zu machen, Bildunterschriften zu schreiben und ja, sogar die nur kurzen Stories kosten viel Zeit am Tag. Im Prinzip sind manche dieser armen Menschen den lieben langen Tag mit nichts anderem beschäftigt, als Material für eine App hervorzubringen, die selbst die Erfinder ungern verwenden, weil sie gefährliche Folgen haben kann.

Und nun, wie geht es mir ohne Insta? 

Girl, ich bin fresh wie noch nie. Ich habe in der Zeit seit Mai die tägliche gewonnene Zeit genutzt (und das waren 1-2 Stunden täglich, die ich früher in Insta investiert habe) und einen Roman geschrieben. Einen ganzen Roman! In sechs Monaten. Ohne Einfluss von außen oder dem Gedanken, „Oh nein, Uschi hat ihr Schlafzimmer schon wieder in einer neuen Farbe gestrichen, das sieht aber toll aus, vielleicht sollte ich das auch machen?!“ - oder „Hildegard macht jetzt Handlettering, das muss ich unbedingt auch anfangen!“ - also komplett ohne Ablenkung. Sehr angenehm. Wenn ich mal 80 bin und in meinem fliegenden Schaukelstuhl sitze, werde ich das Löschen dieser Brain-Fuck-App garantiert nicht bereuen. 

Wie sieht das bei dir aus? 

Übrigens: 

Das „Übrigens“ ist noch wichtig für mich, aber um es schnell abzuarbeiten hier als Liste:

  1. Ich bin mehr oder weniger „zurück“ auf der App. Aber nicht mehr so wie früher, als Zwang, sondern wenn ich Lust darauf habe. Oder um auf diesen Newsletter hinzuweisen :) Die Zeiten von kopflosem Scrollen sind allerdings vorbei, ich poste etwas und bin dann weg. Bei Interesse kann ich demnächst gerne mehr zu einem gesunden Umgang mit Instagram schreiben.
  2. Wenn ich ein Thema mit Anerkennung habe, warum dann der Newsletter?
    Weil es mir Spaß macht. Und das ist für mich die neue Leitlinie. Sobald Druck oder das frustrierende Gefühl fehlender Anerkennung hinzu kommen, bin ich sofort in hab-acht-Stellung und passe auf mich auf. Aber so lange alles cool ist, ist es auch in Ordnung für mich Dinge zu „schaffen“. Als kreativer Mensch würde ich mich sonst zu sehr beschneiden.
  3. Du bist auf Instagram und liebst es? Go for it! Das soll keine Kritik an dir sein. Ich weiß von Leuten, die darüber ein erfolgreiches Business oder einen tollen Freundeskreis aufgebaut haben. Viel Spaß dabei und wenn du schon da bist, darfst du gerne diesen Newsletter teilen :)


Update 2022: Ich bin nun wieder zurück auf Insta (ja ich weiß, es ist ein auf und ab und hin und her und ich reite einfach nur auf den Wellen des Lebens) und hab wieder richtig Spaß mit der App. Die lange Pause bereue ich nicht, sie war nötig für einen gesunderen Umgang mit dieser Teufels-App :)
Im Beitrag (Tipps für einen besseren Umgang mit Instagram für alle, die gerne alle Murmeln beisammen behalten möchten) erfährst du mehr dazu!

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