Chaotisches Zeitmanagement?! Was ich dagegen tue!

Bist du auch ständig leicht unpünktlich oder extrem gehetzt, um irgendwo rechtzeitig anzukommen? Ich kenne das allzu gut und habe zwei kleine Tipps, wie man pünktlicher und somit zeittechnisch ein unfassbar entspannter Mensch wird.

Ich bin ungewöhnlich ungeduldig. Warten hasse ich. Ich stehe unfassbar ungern irgendwo wartend rum. Lieber bin ich so knapp vor Ort, dass ich nicht mehr warten muss. Ich weiß immer ganz genau, wie lange ich für einen Fahrtweg brauche. Somit kann ich die Abfahrt so lange hinauszögern, dass ich nicht warten muss. Perfekt, könnte man meinen!

Leider ist mein Zeitmanagement eine einzige Katastrophe: wenn ich das Gefühl habe, dass ich noch gut in der Zeit liege, stopfe ich noch eine kleine Tätigkeit in diese verbleibende Zeit: schnell ein Butterbrot schmieren, kurz abspülen oder doch noch einen anderen roten Lippenstift auftragen. So gut ich die Wegzeit einschätzen kann, so schlecht kann ich anscheinend planen, wie lange ich für solche kleinen Tätigkeiten brauche. Positiv ausgedrückt könnte man meinen, dass ich eine Zeit-Optimistin bin: ich meine immer mehr Zeit zu haben als eigentlich der Fall ist oder dass ich schneller bin als die mir verbleibende Zeit. Meistens ist es nämlich so, dass dieses Butterbrot schmieren und Lippenstift aufgetragen so viel Zeit braucht, dass ich dann plötzlich doch viel zu spät dran bin. Und das fast immer. Erklären kann ich das allerdings nur schwer. Mit Sicherheit beschafft mir dieses zu spät kommen den Adrenalinkick, den ich halt brauche, um etwas Action in mein Leben zu bringen. Denn trotz des spät-dran-seins versuche ich natürlich, noch pünktlich anzukommen. Deswegen ist der Weg von A nach B ein einziger Stress und ein verzweifelter Kampf gegen die Außenwelt. Fuck, ein langsamer Autofahrer! Mist, ein verträumter Passant! Verdammt, eine rote Ampel! Diese Hindernisse werden entweder angefaucht oder beschwört, damit sie schneller fahren, aus dem Weg weichen oder aber schneller grün werden. Und der Weg wird natürlich im halsbrecherischen Tempo zurück gelegt, um die Fahrtzeit möglichst zu verkürzen. Klar mag ich mich selbst als spuckende und fauchende Adrenalinrakete nicht, aber ich muss ja pünktlich ankommen! (Übrigens fahre ich mit dem Fahrrad, aber ich glaube eine ähnliche Verhaltensweise kann man auf allen Verkehrsmitteln an den Tag legen).

Anscheinend gibt es aber auch Leute, die noch extremer sind. Die erst los machen, wenn sie schon längst da sein müssten. Das ist mir allerdings wirklich zu krass, vor diesem Maß der Verspätung ziehe ich den Hut! Ich bin zwar immer zu spät und komme meistens kurz vor knapp, möchte aber noch die Chance haben, pünktlich anzukommen.

Noch größeren Respekt habe ich vor diesen nervenstarken Mitmenschen, die trotz deutlicher Verspätung die Ruhe bewahren und lässig, ohne Hetze den Weg antreten, um überspät anzukommen.

Natürlich darf man nicht den Typen Menschen außer Acht lassen, der überall viel zu früh ankommt. Dafür habe ich ja gar kein Verständnis. Haben die kein Leben? Keine Butterbrote, die noch schnell geschmiert werden müssen? Solche Menschen scheinen immer alles unter Kontrolle zu haben: das Timing, das Leben, die Butterbrote. Insgeheim wäre ich manchmal auch gerne so, wer nicht?

Eigentlich würde ich gerne nicht mehr zu den schwer gehetzten-gerade-noch-pünktlich-Typen gehören. Ich möchte meinen Typ wechseln. Die lässigen zu-spät-kommer sind zugegebenermaßen schon cooler, aber der überpünktliche Typ ist wahrscheinlich entspannter und muss auf dem Weg von a nach b nicht so böse pöbeln. Ich möchte also eine Zeit-Spiesserin werden. Aber wie bekomme ich das nur hin?

Ich glaube die Lösung ist, meine Gewohnheiten zu ändern. Die gute Nachricht ist: es ist leichter, gute Gewohnheiten zu etablieren als schlechte abzulegen (zumindest für die meisten). Damit meine ich, dass es wahnsinnig schwer ist, auf die tägliche Dosis Schokolade zu verzichten, dafür ist es aber leichter, zwischendurch öfter mal eine Karotte zu essen.

Auf dem Weg zu besseren Gewohnheiten gibt es zwei Tricks:
1. oft und 2. gerne.
Mit „oft“ meine ich, dass man einen Vorgang möglichst oft verrichten sollte, damit er zu einem Automatismus wird. Unser Gehirn ist faul und fällt gerne in diesen Automatismus-Modus. Oder denkst du etwa darüber nach, wie du dir am besten heute die Zähne putzen solltest? Normalerweise schmierst du dir wie von selbst die Zahnpasta auf die Bürste und schrubbst los ohne über die Einzelschritte nachdenken zu müssen.
Mit „gerne“ meine ich eine Belohnung. Sei es das gute Gefühl im Mund nach dem Zähneputzen oder etwas ganz anderes. Unser Hirn ist nicht nur faul, sondern auch bestechlich. Aber da wir das wissen, können wir unseren Kopf wunderbar austricksen: mit extra positivem Feedback. Wir können leider nicht jedes Mal einen Salted-Caramel-Donut futtern, wenn wir uns belohnen wollen (obwohl ich schon stark dafür wäre). Vor allem im Alltag kann man sich auch kleinere zufriedene Momente schaffen, die nichts mit Kalorienbomben zu tun haben. Einfach mit positivem Feedback an uns selbst und einem inneren Schulterklopfen. Die nervige Nachbarin freundlich begrüßt? Handschlag an dich selbst! Den Müll ohne zu murren runter gebracht? Ein inneres Blumenpflücken! Solche kleinen Selbstbelohnungsmomente machen wirklich glücklich, probiere es mal aus!

Für mich und mein chaotisches Zeitmanagement wäre es wohl ein guter Anfang, die Gedanken an die extra Zeit zu verwerfen: noch-schnell-irgendwas ist nicht mehr. Vielleicht drehe ich auch meine Uhr fünf Minuten vor: anscheinend hilft das vielen, aber diese Art von Selbstverarsche wirkt bei mir eher nicht. Immerhin habe ich die Uhr doch selbst verstellt! Aber es ist ein Anfang. Zusätzlich werde ich mir eine feste Zeit setzen, an der ich los muss, also vor allem morgens: und dabei bleibe ich dann felsenfest. Möglicherweise stelle ich mir auch einen Handywecker, der dann ringt, wenn ich los muss. Dann wird alles fallen gelassen und los gegangen. Und das jeden Tag. Denn dieses tägliche daran fest halten hilft, aus meinem guten Vorsatz eine Routine zu machen und in Zukunft einen entspannteren Weg zu haben.

Und was mache ich daraus?
Ich werde so richtig genüsslich langsam unterwegs sein. Unfassbar gönnerhaft lächelnd Passanten den Vortritt lassen, zwischendurch an Blumen am Wegrand schnuppern und vielleicht sogar ein Instagram-Bild vom schönen Sonnenaufgang hochladen. Das werden gute, rosige, entspannte Fahrten und die Belohnung dafür, dass ich früh genug los gefahren bin. Herrlich!

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