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Digitale Distanz statt Digital Detox

Die digitale Entgiftung, Digital Detox genannt, ist momentan in aller Munde. Scharen begeben sich auf der Suche nach Achtsamkeit und Entspannung in die digitale Unerreichbarkeit. Aber ist das die Lösung?

Als Teenie bin ich regelmäßig beim laufenden Fernseher eingeschlafen. Und ich habe mit Gilmore Girls im Hintergrund Hausaufgaben gemacht. Ich habe Beavis & Butthead und MTV geliebt und den Fernseher in meinem Zimmer non-stop laufen lassen.

 

Dabei haben mir die Lehrer gesagt, dass das Fernsehen dumm macht. Dass man nichts mehr kritisch hinterfragt, man wird unkreativ, kann sich nicht mehr auf Texte konzentrieren und hat keine Hobbies mehr. Das kommt dir bekannt vor? Genau, denn ähnliches wird heutzutage über den Handykonsum gepredigt.
Ich finde nicht, dass mir das Fernsehengucken irgendwie geschadet hätte. Ich brauchte die Ablenkung, weil ich die Hausaufgaben so wahnsinnig langweilig fand und sie sonst wahrscheinlich gar nicht gemacht hätte. Und beim Handykonsum habe ich eine ähnlich lockere Einstellung. Ich sage mir: Wenigstens haben die Teenies von heute schnelleren Zugang zu Nachrichten als ich damals.
Und doch wird die steigende Verbindung mit dem Handy sehr kritisch gesehen und und ich bemerke immer mehr Leute, die sich in ein sogenanntes Digital Detox begeben.

Was ist Digital Detox?
Das Modewort Digital Detox bezeichnet den bewussten Entschluss, eine Zeit lang auf bestimmte digitale Anwendungen wie Social Media oder Nachrichten und Mails zu verzichten. Es gibt verschiedene Abstufungen des Digital Detox: zwischen dem Flugmodus, der für einige Stunden eingeschaltet wird, bis zum radikalen Handyverzicht über mehrere Tage.

Anscheinend verbringen wir durchschnittlich 3-4 Stunden am Tag am Handy und viele von uns nehmen das Handy sogar mit ins Bett. Gäbe es das Handy nicht, würden die gleichen Leute wahrscheinlich mit laufendem Fernseher einschlafen.

Der digitalen Entwöhnung fröhnen besonders überarbeitete Führungskräfte, die in speziellen Digital-Detox-Camps das Handy für eine gewisse Zeit weg sperren lassen, die Apple Watch abstreifen und dann wahlweise auf einem Baumhaus oder in einem Feld in der Provence hockend darüber nach denken, wie sie sich denn nun ohne Erreichbarkeit fühlen.

 

Wenn du auch unter Ringxiety leidest und wie ein Smombie durch die Stadt läufst, mit dem Handy in der Hand einschläfst und in Weltuntergangspanik verfällst, wenn du das Handy mal zu Hause vergisst, wäre so eine digitale Entgiftung bestimmt etwas für dich. Aber Scherz bei Seite: auf wen trifft das wirklich zu? Und ist Digital Detox da wirklich die Lösung?

 

Im Falle der Führungskräfte und Digital-Detox-Camps habe ich das Gefühl, dass die totale Überarbeitung einfach ein neues Ventil gefunden hat: das Handy und die damit eingehende Digitalisierung sind Schuld, wenn Stress und Burn-Out die Mitarbeiter plagen. Die ständige Erreichbarkeit ist anstrengend, aber in Wirklichkeit ist bei Überarbeitung und Überforderung wahrscheinlich eher das Arbeitspensum als die Nutzung des Handys das eigentliche Problem.

Digital Detox bedeutet eine digitale Entgiftung. Aber sind digitale Medien wirklich mit Gift gleichzusetzen? Ist nicht viel mehr etwas anderes das Problem? So wie eine grüne-Smoothie-Kur wahrscheinlich nur einen kurzen positiven Effekt auf deine Gesundheit hat, so ist auch Digital Detox meiner Meinung nach nicht die Lösung.

Klar können Medien ein Gefühl der Nervosität vermitteln. In den Nachrichten herrschen Gefühle von Ängsten, Mangel und Hilflosigkeit vor. Social Media kann Neid, Vergleiche mit anderen und ein mangelndes Selbstbewusstsein vermitteln.

Aber ist eine digitale Crash-Diät wirklich die Lösung, wenn man unter diesen Gefühlen leidet? Muss man vor Instagram und der ständigen Erreichbarkeit in ein entlegenes Bergdorf fliehen, wo es garantiert kein Netz gibt?

Ich glaube die Lösung ist eine gesunde digitale Distanz, die bedeutet, das Handy auch mal links liegen lassen zu können und sich von Social Media sowie Nachrichten nicht extrem beeinflussen zu lassen.

Es gibt genügend Tipps, wie man bewusster im Umgang mit digitalen Medien sein kann. Die positiven Effekte von Digital Detox wie Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Konzentration und Kreativität kannst du auch im Alltag erreichen, indem du das Ding einfach mal weg legst, es auf stumm stellst, dich nicht von jedem Bimmeln ablenken lässt und ständige Erreichbarkeit als Persönlichkeitsmerkmal schätzt. Und das nicht als Radikal-Crash-Lösung, indem du dich für eine Zeit von allen digitalen Anwendungen verabschiedest, sondern in einem bekömmlichen und “normalen” Umfang, also jeden Tag ein wenig.

Fazit
Statt Digital Detox ist es also die Lösung, achtsamer mit sich selbst zu sein und eine gesunde Distanz zum Smartphone zu entwickeln, damit wir gar nicht erst das Gefühl bekommen, dass unser Medienkonsum Gift für uns ist.

Wie stehst du zu Digital Detox? Hast du es vielleicht schon ausprobiert?

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  1. Hi Maggie, das ist ein wichtiges Thema und ein sehr guter Beitrag!
    Es freut mich, dass du auch auf meine Detox-Tipps verweist. Vielen Dank!

    Liebe Grüße
    Lucy

  2. Ich habe für mich irgendwie noch nie so richtig die Notwendigkeit gesehen, digital detoxen zu müssen, obwohl man mir oft sagt, ohne Handy würde ich durchdrehen. Zum einen glaube ich, dass das nicht der Fall ist. Zum anderen sehe ich irgendwie – zumindest was mich betrifft – nichts Schlimmes daran, wenn man sich via Smartphone oft im Social Media etc. bewegt. Ich muss sagen, dass es mich oft irgendwie … “aufweckt”. Es inspiriert mich, mal kurz durch Instagram zu scrollen, es hebt meine Laune, einen Blick auf meine Facebook-Startseite zu werfen. Ich glaube, es kommt einfach darauf an, was man dort konsumiert und wie man es selber aufnimmt – ob es den eigenen Horizont weiter oder enger macht. Enger wäre: Ich sehe all das, was ich nicht habe und nicht bin und will das auch. Weiter wäre: Ich sehe, was es alles auf der Welt gibt und wie vielfältig die Menschen und ihre Erfahrungen sind und fühle mich mittendrin. Hängt natürlich auch von meiner Tagesform ab. Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, dass man sich darüber klar wird: Tut es mir gerade gut oder schadet es …

    Danke für deinen Artikel zum Thema! Schön, mal eine etwas andere Sicht der Dinge zu lesen! 🙂

    Liebe Grüße
    Christina

    • Hallo liebe Christina,
      Danke für deinen Kommentar! Ich finde auch gar nichts schlimmes daran, wenn man häufiger mal auf’s Handy schaut und finde deine Einstellung dazu echt super!
      Liebe Grüße!
      Maggie

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