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Fail harder – Über das Scheitern

Scheitern ist schmerzhaft und befreiend zugleich. Und es passiert jedem. Manchmal entstehen sogar tolle Dinge, nachdem man gescheitert ist.

Es ist ein kühler Frühlingsabend im April. Ich gehe durch die Stadt in Richtung Bahnhof. Ich laufe, sehe aber nichts, weil ich so in Gedanken bin.

In Gedanken deshalb, weil ich das dringende Bedürfnis habe, mein Leben zu ändern. Die Lebenssituation, in der ich stecke, fühlt sich verfahren an. Jeden Tag morgens aufstehen, nicht weil ich gerne möchte, sondern weil ich muss. Mit dem Bewusstsein, wieder zu einem Job zu fahren, der mir nur durch die lustigen Unterhaltungen mit den Kollegen Freude bringt. Mir Dinge ausdenken, die mir so sinnlos erscheinen, dass es weh tut. Arbeiten, ohne an das Resultat zu glauben. Ich war nur noch eine Marionette, die brav ausführte, was andere verlangten. Den Holzkopf anstrengend und die Holzbeinchen bewegend, aber innerlich ziemlich ausgehöhlt.

An diesem Abend im April wurde mir klar, dass ich gescheitert war. Mit meinem Job. Es war nicht so, dass ich die Befürchtung hatte, gekündigt zu werden, oh nein. Das Gefühl kam von mir selbst – dass diese Situation die Endstation aller meiner Hoffnungen und einer möglichen Sinnhaftigkeit im Leben war. Der Leidensdruck war so groß, dass ich keinen anderen Ausweg sah – ich musste kündigen. Den Job, für den ich mich so angestrengt habe, der mir aber ganz und gar nicht lag. Die Umgebung verlassen, die mich eindeutig nicht weiter brachte.

Meine Güte, wie sehr habe ich eine Zeit lang versucht, meine kleine Existenz dort hinein zu fügen. Aber es ging nicht, ich war nicht glücklich. Und die Aussicht auf weitere Jahre in diesem Milieu ließen mir die Sommersprossen erbleichen.

Es war eindeutig ein Scheitern. Aber nach all’ den Jahren auf dieser Welt hatte ich mich mittlerweile innerlich darauf eingestellt, dass so etwas eben vor kommt, zumindest in meinem Leben. Scheitern.

Das war nicht das erste Mal, dass ich gefühlt an einer Endstation angekommen war. Also war mir das Gefühl bereits bekannt. Und ich wusste, dass es doch immer irgendwie weiter geht.

Deshalb war dieses Scheitern auch eine Befreiung. Ich hatte es eingesehen und konnte nun die nötigen Schritte angehen, um mir eine Alternative zu suchen.

Ich bin mit meinem Job-Dampfer in voller Fahrt gegen einen Felsen gekracht, nur um dann an Land zu schwimmen und mich an einer traumhaften Insel wieder zu finden. Schade um den süßen Dampfer. Aber seetüchtig war ich ja eh nie. Und das einzusehen war schon schmerzhaft – aber auch ein geiles Gefühl. Ich war endlich ehrlich zu mir und konnte mir eingestehen, dass es so nicht weiter gehen wird.

Scheitern- so ein scheiß

Scheitern ist nicht immer wohlig-befreiend. Es kann sich auch furchtbar-schlimm-alles geht den Bach runter-mäßig anfühlen. Dieses akute Gefühl kenne ich auch.

Eine Absage, ein Schlußmachen, die plötzliche Erkenntnis, dass einem der Boden unter den Füßen weg gezogen wird und man aus allen Wolken fällt. Man nicht weiter weiß. Keinen Plan B hat, nur das dumpfe Gefühl, dass grad alles so richtig, richtig schief läuft. In dem Moment ist es furchtbar, oh ja! Aber es ist nicht für immer furchtbar. Das Gefühl vergeht mit der Zeit und es tun sich andere Möglichkeiten auf. Garantiert!

Scheitern ist erst wirklich schlimm, wenn du nicht mehr an dich glaubst. Wenn du gar keine Möglichkeiten mehr siehst. Normalerweise taucht doch immer noch eine Idee auf, wie es weiter gehen kann. Und das Scheitern wird zur Weggabelung des Lebens – an dem du dich für einen anderen Weg entscheidest als den vorher geplanten. Und dich dieser neue Weg tolle Abenteuer erleben lässt, die du vorher gar nicht erwartet hättest.

Was würdest du tun, wenn du keine Angst vor dem Scheitern hättest?

Endlich den Berufsweg einschlagen, den du dir wünscht? Jemandem deine Liebe gestehen? In ein fremdes Land ziehen?

Warum tust du es nicht, was hält dich ab?

Meistens ist es die Befürchtung, vor jemand anderem blöd dazustehen. Aber wer ist dieser jemand, der in deinem Kopf sitzt und dich gedanklich davon abhält, endlich was geiles zu starten? Deine Träume zu erfüllen? Ist diese Person wirklich so wichtig, dass du dir davon deinen Lebensweg versauern lässt?

Eine Textpassage aus dem Buch “Frei sein statt frei haben”, die ich in dem Kontext sehr passend finde, fasst wunderbar zusammen, was ich meine. Ein Unternehmer wird darin während eines Vortrags vor Studenten gefragt, ob er Angst vor dem Scheitern hätte. “Darauf stellte der Mann eine interessante Gegenfrage: ‘Was meinst du denn, was passiert, wenn man scheitert?’ Stille. Man konnte förmlich spüren, welches Unbehagen es den Studentinnen und Studenten bereitete, sich schon im Studium mit ihren Existenzängsten zu konfrontieren. Nach einiger Zeit sagte er: ‘Es passiert nichts'”.

Better an oops than a what if

Ich sehe es so: das wirkliche Scheitern ist, es nicht versucht zu haben. Sich für immer zu fragen „Was wäre wenn“. Es gibt Dinge, die so sehr in einem brennen, dass man nicht weiter leben kann, ohne es versucht zu haben. Hoffnungen und Träume, die so fest im Kopf sitzen, dass man sie nicht abschütteln kann.

Einem Mann deine Liebe gestehen (hab ich gemacht – das zahlt sich immer aus!). Ein eigenes business aufziehen (bin grad dabei). Ein Cafe auf Honolulu (das ist die nächste Station – irgendwann mal). Es gibt Dinge, die sich so sehr lohnen, dass man eben auch das Risiko eingeht, zu scheitern.

Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass sich das Leben erst so richtig kribbelig und lebendig anfühlt, wenn man es einfach versucht.

Ist es vielleicht sogar geil, hin und wieder zu scheitern?

Sicher hast du es auch schon gehört: in Amerika wird es geradezu gefeiert, wenn man scheitert. Ein business-Mensch wird erst ernst genommen, wenn er ein oder zwei Start-Ups gegen die Wand gefahren und so die für den Erfolg vermeintlich erforderlichen Erfahrungen gesammelt hat.

Ganz so krass würde ich das Scheitern nicht anstreben. Denn oft gehört ein Risiko dazu: entweder es ist ein finanzielles Wagnis oder die Reputation geht flöten. Das gilt natürlich abzuwägen. Ich bin so pro Scheitern und pro Risiko und total dafür, alles versuchen –  gehe aber all das nur ein, wenn ich wirklich weiß, dass es was wird, dass mein Herz mir sagt ich soll springen und mein Verstand grünes Licht gibt. Also in AirBerlin-Aktien würde ich nicht investieren. Und kein Autohaus gefüllt mit Diesel-VWs eröffnen. Du weißt was ich meine.

Jeder scheitert

Was mich immer wieder aufbaut, ist der Gedanke, dass jeder mal scheitert. That’s life! In dem Moment fühlt es sich wie das einsamste und grausamste Gefühl an, aber eigentlich macht es jeder in seinem Leben durch. Und der Trick ist, sich davon nicht aufhalten zu lassen, sondern „jetzt-erst-recht“-mäßig einfach weiter machen.

Sicher kennst du den einen oder anderen erfolgreichen Menschen, der in seiner oder ihrer Karriere schon ziemlich auf die Nase geflogen ist, deren Erlebnisse aber umso inspirierender sind.

Famous failures

Meine Lieblings-Power-Frau Beyonce ist mit ihrer ersten Band bei einem Fernseh-Wettbewerb gescheitert. Gott sei Dank hat sie trotzdem nicht aufgegeben, sonst wäre meine Lieblings-Liederliste um einige Titel kürzer!

J.K.Rowling muss natürlich auf diesem Blog auch jedes Mal her halten, wenn es um inspirierende Frauen geht, die nicht aufgeben. Mehrere Verlage haben ihre Manuskripte zurück gewiesen, weil die Vollpfosten meinten, dass Kinder so dicke Bücher nicht lesen würden. #fail

Thomas Edison, der Erfinder der Glühbirne, hat 10.000 Versuche gebraucht, bis er es geschafft hat, seine Idee zu realisieren. Dazu sagte er, dass er nicht 10.000 Mal gescheitert ist, sondern 10.000 Wege gefunden hat, wie es nicht funktioniert.

Fazit

Im Endeffekt bedeutet Scheitern Lebenserfahrung. Und ist möglicherweise der erste Schritt zu was Neuem.

Gegen das miese Gefühl, das man im ersten Augenblick meistens hat, hilft mir die Erkenntnis: „Auch das wird vergehen.“

Wie stehst du zum Scheitern? Bist du auch schon gescheitert und wie hast du dich gefühlt? Und hast du was daraus gelernt? Ich weiß das Thema ist unangenehm und oft schambehaftet, aber mir kannst du es erzählen!

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