Me and the universe – Gedanken zur Spiritualität

Es scheint momentan ein Trend-Thema zu sein: Spiritualität. Warum ich gleichzeitig daran zweifle und es doch mitmache.

Ich sitze auf meinem Sitzkissen im Wohnzimmer und versuche mir bildhaft vorzustellen, wie meine Zukunft aussehen soll.

Eine schicke Stadtvilla – zentrumsnah, aber doch so abgeschieden, dass keiner der Nachbarn in den Sauna-Bereich im Garten schauen kann. Ein süßer Hund, na klar. Ich arbeite nur noch 4-6 Stunden am Tag, und meine Aufgaben bestehen aus kreativen Tätigkeiten, die mir liegen und lasse den Rest meine Mitarbeiter machen, die im Erdgeschoss-Studio der Stadtvilla schick vor ihren riesigen iMacs sitzen und an grünen Smoothies nippen. Ich mache viele Reisen und der Inhalt meines Kleiderschranks lässt alle Mode-Bloggerinnen erblassen.
Mist, jetzt juckt die Nase, dabei wollte ich mich einige Minuten lang auf diese nette Zukunftsvision fokussieren, während ich vor dem dunklen Nachthimmel sitze. Ich versuche mich im Neumondwünschen.

Was ist Neumondwünschen?

Es ist eine spirituelle Technik, die ich auf Instagram bei @bobbie_kazui entdeckt habe

@bobbie_kazui Anleitung zum Neumondwünschen Spiritualität stahlpink
@bobbie_kazui Anleitung zum Neumondwünschen auf Instagram

Hier ihre komplette Anleitung:
“Macht es euch gemütlich, denn heute und morgen könnt ihr euren Wünschen freien lauf lassen.
Das letzte Neumondwünschen war sehr, sehr magisch für mich. Wir waren zu dritt. Haben Kerzen angezündet, Tee getrunken, ein Räucherstäbchen und Meditationsmusik angemacht.
Da es für mich inzwischen ein monatliches Ritual ist, ist es für mich wichtig, dass es auch dementsprechend zelebriert wird.. Meine Tipps für euch … vollzieht das Neumondwünschen mit euren engsten Freunden.
Die Schwingung im Raum war so magisch – als hätten meine Träume einen Zauber Turbo Boost durch die Anwesenheit meiner liebsten Menschen bekommen. Das wichtigste beim Neumondwünschen: Seid ehrlich zu euch selber. Ihr könnt euch wünschen was ihr wollt. Es kann was materielles sein. Es kann was emotionales sein. Es kann auch ein Vorsatz sein. Egal was. Nehmt euch Zeit für alles was ihr aufschreibt. Es gibt keinen Zeitdruck. Es ist kein Wettkampf. Das aller wichtigste zum Schluss – LASST LOS. KOMPLETT. Sobald ihr mit dem Ritual fertig seid müsst ihr unbedingt die Wünsche gehen lassen. Denkt nicht die ganze zeit daran was ihr euch gewünscht habt. Vertraut darauf, dass bereits an der Erfüllung gearbeitet wird. Es kümmert sich jemand oder etwas darum, es muss also nicht mehr eure Sorge sein. Wir haben uns beim letzten mal vorgestellt, dass unsere Wünsche an Ballonen hängen die wir zum Schluss einfach los gelassen haben. Habt einen magischen Abend ihr Lieben! ✨”

Auch andere Instagramer und Blogger, die solche Praktiken erklären, stehen momentan hoch im Kurs und beschäftigen sich neben Lifestyle-Themen wie Yoga und veganer Ernährung auch noch mit Tarot und dem Gesetz der Anziehung. Spiritualität wird salonfähig- wenn es die Influencer anfangen, wie lange wird es dauern, bis sich auch die breite Masse mit Räucherstäbchen und Tarot-Karten eindeckt?

@dariadaria zeigt als Influencerin, dass Esoterik cool ist Spiritualität stahlpink
@dariadaria zeigt als Influencerin, dass Esoterik cool ist

Und dann ist da noch die liebe Laura Malina Seiler, die predigt, dass das Universum immer für uns ist und wie man die Gesetze des Universums am besten für sich nutzt.

Ja, ich möchte das alles so gerne glauben – aber ich muss zugeben, dass es mir unfassbar schwer fällt. Was Religion und Spiritualität angeht bin ich sehr sachlich – ich brauche Beweise, bevor ich etwas glaube. Ich mache es wie der gute alte Kant und habe Mut, mich meines eigenen Verstandes zu bedienen – ja sogar bei Lifestyle-Themen! Und Aussagen wie „Vertraut darauf, dass bereits an der Erfüllung gearbeitet wird. Es kümmert sich jemand oder etwas darum, es muss also nicht mehr eure Sorge sein“  bescheren mir eher große Fragezeichen im Kopf als Vertrauen. Genauso wenig, wie ich an die Heinzelmännchen glaube, kann ich mich darauf verlassen, dass eine mysteriöse Kraft plötzlich alles für mich regelt.

Und zu glauben, dass das Universum aus etwas anderem besteht als Sternen und Weltraumschrott fällt mir doch arg schwer. Und dann soll es auch noch einen eigenen Willen haben und uns vor Aufgaben stellen, die uns fordern, aber natürlich nicht zu sehr, denn das Universum meint es ja immer gut mit uns.

Dass ich bei diesen Worten in leichten Sarkasmus verfalle liegt daran, dass meine Erfahrungen mir eine ganz andere Wahrheit eingeben: es gibt Ereignisse im Leben, die absolut keinen Sinn machen und mit ihrer Schmerzhaftigkeit über Grenzen gehen. Um sich ein Bild von solchen Ereignissen zu machen, muss man nur einen Blick und die Nachrichten werfen. Oder sich die Geschichte anschauen. Da würde ich manches Mal gerne mal beim Universum an die Tür klopfen und fragen, was der verdammte Mist eigentlich soll – aber hey, das geht ja nicht – das Universum ist viel zu groß und wir als Menschen zu klein, um das alles zu verstehen. Ein fantastisches Mysterium, das wir durch unsere Energie beeinflussen. Und auf das ich angesichts so vieler Ungerechtigkeiten mitunter auch ziemlich stinkig bin.

Und noch so ein Ding an der Spiritualität, das mich wahnsinnig nervt: weibliche und männliche Energie. Das ist so falsch und klingt so nach Schubladen und Klischees aus dem Mittelalter, dass ich kotzen könnte. Bitte lasst das einfach. Jeder hat seine eigene Energie und ob die nun weiblich oder männlich oder zwitter ist – das sollte irrelevant sein.

Ok, ich versuche also trotzdem eine positive Energie auszustrahlen.
Und ich betreibe Neumondwünschen. Einige Punkte meiner Liste sind sogar wahr geworden (yeah, danke Universum – damit ist aber ganz sicher noch nicht alles wieder gut).
Ich übe mich jeden Tag in Dankbarkeit (zum Beispiel bin ich dankbar, dass das Universum mich noch nicht erwischt hat) und visualisiere mir mit gaaaanz viel positiver Energie meine Ziele.
Und hoffe inständig, dass das Universum mir nicht den Garaus macht, bevor ich sie erreicht habe.

Aber das ist natürlich positiv: sich Ziele im Leben zu setzten, fleißig darauf hinzuarbeiten und Dankbarkeit zu versprühen. Alles tolle Betätigungen, die die Spiritualität mit sich bringt. Genauso das Thema Karma: letztens auf dem Weihnachtsmarkt war ich kurz davor, dem Weihnachtsmann seine nervige Glocke zu klauen, mit der er ständig gebimmelt hat, während wir in Ruhe unseren Glühwein trinken wollten. Dass ich das nicht gemacht habe, lag nur daran, dass das mein Karma-Konto sicherlich gegen null gezogen hätte. Also macht mein innerer Karma-Zähler mich irgendwie auch zu einem moralischeren Menschen.

Wenn das Universum mein Leben leitet, dann könnte ich mich doch auch genauso gut einfach zurück lehnen und es machen lassen, oder? Wie schön wäre das! Ich habe nämlich gar keine Lust, jetzt zu hart zu ackern, in ständiger Gefahr, dass das anscheinend von Sinn durchtränkte, aber für mich einfach nur launisch und willkürlich wirkende Universum mir möglicherweise einen Strich durch die Rechnung macht. Ich habe Angst, mich darauf zu verlassen, dass das Universum alles richten wird – weil es so unwahrscheinlich erscheint. Nun würde jeder Spiritualitäts-Anhänger damit kontern, dass ich Vertrauen in das Universum haben muss. Aber ich als waschechte Zweiflerin übe das jeden Tag – bislang mit mäßigem Erfolg.

Und trotzdem mache ich weiter damit. Eine andere Wahl habe ich nicht. Weil ich das Leben selbst in die Hand nehme, aus der Opferrolle steige und jeden Tag in eine positive Grundstimmung versetze. Die Dankbarkeits-Übungen, die positiven Manifestationen und Meditationen helfen mir nämlich so, am Ball zu bleiben und mit Rückschlägen umzugehen. Und das hat meiner Meinung nach nichts mit dem Universum zu tun, sondern ist pure Psychologie. Dem Universum sei Dank ist Psychologie eine Wissenschaft und Studien belegen die positiven Effekte von Meditation und Dankbarkeit.

Fazit

In 16 Tagen ist wieder Neumond. Und, seid ihr beim Neumondwünschen dabei? Ich versuche es trotz aller Zweifel wieder. Denn auf die positiven Effekte des Spiritualität-Trends möchte ich einfach nicht verzichten. Und die Aussicht auf eine Stadtvilla mit Saunabereich ist einfach zu verlockend.

Und wie seht ihr das? Steht ihr dem Spiritualitäts-Trend auch teils offen, teils kritisch gegenüber? Und habt ihr Tipps für mich, wie ich als Zweiflerin etwas Vertrauen aufbauen kann? Danke!

Hinweis: Dies ist ein redaktioneller Beitrag, er enthält Werbung (da Markennennung oder Verlinkung), aber unbezahlt und unbeauftragt.

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  1. Hm. Ich glaube nicht, dass Spiritualität ein Trend ist. Ich glaube, die war schon immer da, aber immer in einem anderen Mäntelchen und auf ganz viele verschiedene Arten. Und ich glaube auch, dass jeder Mensch irgendwie spirituell ist, sogar die ganz, ganz Sachlichen. Ich schaue manchmal im buddhistischen Zentrum vorbei und hab da einiges über Karma gehört. Das klang auch irgendwie ganz logisch und wäre eine Erklärung für den ganz offensichtlich ungerechten Mist, der so abgeht, es ist zumindest ein Versuch. Ich selber hab mir noch nie was zum Neumond gewünscht, aber ich meditiere oft, mache Yoga und hab sogar ein Deck Tarot-Karten. Manchmal denke ich auch, dass an Astrologie was dran ist. Ich bin eigentlich ziemlich überzeugt, dass man nicht alles mitmachen muss. Dass man manche Sachen für totalen Quatsch halten und trotzdem spirituell sein kann. Ich muss sagen, dass ich diese “Entwicklung” (sag ich mal) im Großen und Ganzen total toll finde. Die “Spirituellen” sind nicht zwangsläufig alte Hippies oder schräge Typen, sondern ganz normale Menschen, die sich mit ihrem Inneren beschäftigen. Das ist doch mega! Egal, wie jeder einzelne seine Spiritualität auslebt – oder nicht.

    Vielleicht mache ich beim nächsten Neumond ja doch mal mit. Einfach mal gucken ;).

    Liebe Grüße
    Christina

    • Hallo Christina,
      stimmt du fasst es ganz gut zusammen und du hast absolut recht: natürlich ist diese Entwicklung, dass viele Leute ihren spirituellen Weg finden, total toll!

      Liebe Grüße
      Maggie

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