stahlpink Blog Gestern vor einem Jahr - mein Weg in die Selbstständigkeit

Gestern vor einem Jahr – mein Weg in die Selbstständigkeit

Ein Jahr ist es nun her, dass ich mich selbstständig gemacht und mein Label stahlpink gegründet habe. Doch wie kam es dazu? Wie war mein Weg in die Selbstständigkeit? Viel Spaß mit dem ausführlichen Bericht dazu!

Am 1.09.17 war es offiziell so weit: ich war selbstständig. Ein mega mutiger Schritt, als erste in der Familie, ohne nennenswerte selbstständige erfolgreiche Role-Models im Freundes- und Bekanntenkreis. Also wie kam es zu dem Entschluss und zu dem Plan, was ich als Selbstständige überhaupt machen möchte?

In der gemütlichen (?) Festanstellung

Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, war ich ein Jahr lang in einer Festanstellung in einer Kreativagentur.

Und tja, was soll ich sagen. Ich wusste schon nach ca. drei Monaten in dieser Position, dass ich eigentlich lieber etwas anderes machen möchte. Zu stressig, zu viel Druck und die Tätigkeit passte einfach nicht zu mir. Doch damals habe ich (noch) gar nicht an die Selbstständigkeit gedacht. 

Mir etwas anderes zu suchen bedeutete damals noch: natürlich ein anderer Job.

Das mit der Selbstständigkeit kam mir erst einmal echt riskant vor. Nach dem Bachelor hatte ich schon mal daran gedacht, mich selbstständig zu machen, es aber aus guten Gründen fallen gelassen: ich brauchte erst Mal Berufserfahrung. Und die habe ich mir nach dem Master dann auch geholt – nur um zu erkennen, dass dieses Festanstellungs-Ding eigentlich echt blöd ist.

Klar, ich hatte ein festes monatliches Einkommen (was bei den vielen unbezahlten Überstunden insgesamt aber eher mickrig war). Ja, ich hatte viele Kollegen, mit denen ich mich richtig gut verstanden habe. Und natürlich war das Büro schick und es gab coole Dienstreisen.

Aber hat mich das wirklich glücklich gemacht? Nö. 

Und das war etwas, das ich erst lernen musste: es gibt Leute, die damit zufrieden sind, ihre Arbeit zu erledigen, ihren wohlverdienten Lohn zu kassieren und ihre Freizeit zu genießen. Ihren Beruf bestimmt super gut ausüben, aber nicht Erfüllung darin suchen.

Ich bin anders. Nenn mich naiv und idealistisch, aber ich will mehr von meinem Leben. Eine Plattitüde, die mir in der Zeit nie aus dem Sinn kam: “Mein Leben ist zu kurz dafür”.

Ein schlimmer Trauerfall in meiner Familie demonstrierte mir das auf brutale Weise: das Leben kann von jetzt auf gleich vorbei sein. Solche Schicksalsschläge, so furchtbar sie sind, lassen viele das eigene Leben hinterfragen. Und mein Hinterfragen hat bei einer Sache große Ausrufezeichen ausgelöst: der Job. 

Weiterhin einen Beruf auszuüben, der meinen Fähigkeiten so gar nicht entsprach, in dem ich keine Entwicklungsmöglichkeiten für mich sah und der mich zudem wegen viel negativem Stress und Druck auch noch auffraß, war also gar keine schöne Aussicht. Aber natürlich habe ich viel davon gesprochen, etwas verändern zu wollen. Die finale Entscheidung aber immer weiter raus geschoben. Monatelang. Bis mir ein Unfall passierte.

Job frisst Seele auf

An einem frischen Frühlingstag bin ich mit dem Fahrrad wohl zu schnell den Berg vor’m Haus runter gesaust. Und richtig blöd seitlich gestürzt. Total verdattert habe ich mich wieder aufgerappelt und bin weiter gefahren. Musste ja zur Arbeit.

Mein Freund hat mich überredet, doch mal zum Arzt zu gehen, vor allem weil ich Schmerzen im Arm hatte und der geröntgt werden musste. Das sah ich ein und mit dem Arm war zum Glück alles in Ordnung. Der Orthopäde schickte mich aber noch weiter: zum Neurologen, wegen des Sturzes auf den Kopf. 

Während der Warterei habe ich noch im Wartezimmer weiter gearbeitet. Mir wurde langsam aber sicher richtig schlecht, ich bekam Halluzinationen. Aber die Ideen mussten ja noch vormittags in die Agentur geschickt werden, daher habe ich weiter gearbeitet.
Ich hab gar nicht gemerkt, wie mies es mir ging. Bis die Diagnose vom Arzt kam: schwere Gehirnerschütterung. 

Die normale Reaktion wäre nun gewesen: akzeptieren, dass es mir nicht gut geht. Aber ich war hin- und hergerissen. Einerseits bedeutete die Gehirnerschütterung, dass ich endlich, endlich mal etwas Ruhe von meinem stressigen Job hätte. Denn ich war schon längst am Ende.

Andererseits bedeutete es, dass ich nicht zur Arbeit gehen könnte – undenkbar! 

Dieser Effekt ist mir seither öfter begegnet: völlig überarbeitete Menschen, die in einer Krankheit endlich etwas Ruhe und Zeit für sich finden, die sich auf eine Operation freuen, oder über sonstige Einschränkungen glücklich sind. Nicht weil sie eine perverse Störung haben und es geil finden, krank zu sein. Sondern weil das bedeutet, dass sie ihrem (auch durch die Arbeit) kaputten Körper endlich mal Ruhe gönnen können.

Bei mir ging so weit, dass ich mich nach dem Unfall sogar gefragt habe, ob ich den Sturz nicht (unbewusst) extra herbei geführt habe, nur weil ich so fertig und gestresst vom Job war.

Und gleichzeitig habe ich mich furchtbar schlecht gefühlt. Ich durfte, wollte nicht krank sein, ich musste doch funktionieren!

Rückblickend war diese Krankheitsphase der Auslöser für alles, was danach kam. Denn diese Situation hat mir gezeigt, was der Job mit mir macht, dass das unmöglich so weiter gehen kann. Dass ich eine Alternative brauche.

Und die Stelle, nach der ich suchte, gab es aber leider nicht. Keine der ausgeschriebenen Jobangebote klang nach mir, hätte mich richtig erfüllt. Also keimte damals endlich die logische Konsequenz in meinem langsam genesenden Hirnchen: die Selbstständigkeit. 

Aber was? Wie kommt man auf die Idee, was man in der Selbstständigkeit machen möchte? Für mich ist die Antwort: indem man sich selbst gut kennt, weiß was man will und die eigenen Fähigkeiten einsetzt.
Und das bedeutet Arbeit: Ich habe mir Listen gemacht, mit Dingen die ich kann. Ideen, für die ich brenne. Und daraus verschiedene mögliche selbstständige Berufe abgeleitet. Da ich Design studiert habe, kam ich immer wieder auf diese Tätigkeit zurück. Aber die Ideen waren sehr vielfältig. Ganz hoch im Kurs stand zum Beispiel auch ein Blog mit russischen Rezepten, der “Wie bei Mama” heißen sollte. Bitte nicht klauen, die Idee gehe ich vielleicht noch an! 

Nachdem ich mich einigermaßen von dem lästigen, aber augenöffnenden Unfall erholt hatte, habe ich in einem anschließenden Urlaub im März 2017 diesen Blog gestartet. Ganz romantisch auf einer einsamen Hütte in der Schweiz, während mein Freund, mit dem ich eigentlich im Urlaub war, sich wahrscheinlich furchtbar beim Netflixen gelangweilt hat. Aber ich war voller Tatendrang, voller Energie und wollte endlich etwas tun, einen großen Schritt in Richtung Selbstständigkeit machen! Denn ich hatte mittlerweile einen Ansatz, mein Warum gefunden. Jungen Mädels helfen, ihren eigenen Weg zu gehen. Und wie macht man das als eh schon gestresster Digital Native? Genau, man startet einfach erst mal einen Blog.

Das war für mich der Rettungsanker: in jeder freien Minute in den Wochen darauf habe ich an neuen Texten gefeilt und überlegt, wie ich mein Business ausbauen könnte. Diese Phase war wirklich extrem: ich habe ein Konzept geplant, wie ich mir eine Selbstständigkeit aufbauen könnte, habe Blog-Texte geschrieben und noch Vollzeit in einem stressigen Job gearbeitet. Und bin gependelt. 

Aber gleichzeitig war es auch schön, weil sich endlich etwas bewegte. Vom gestressten und überforderten Festanstellungs-Opfer wurde ich zu einem Mädel mit einem festen Plan und dem Willen, etwas zu ändern. Das hat sich toll angefühlt! 

Durch verschiedene Podcasts und Bücher habe ich mir das nötige Wissen zu Gründung und Selbstständigkeit angeeignet. Und langsam konnte ich manifestieren, wie meine Zukunft aussehen sollte – und damit kam die nötige Zuversicht und das Vertrauen.

Leider kann man nicht von Zuversicht und Vertrauen leben. Also wollte ich den sicheren Weg gehen (was ich auch unbedingt jedem rate): es mit einer Halbtagsstelle versuchen. Ich habe das offen bei meinem damaligen Arbeitgeber kommuniziert – und eine Absage eingesteckt. 

Nach weiterer Bedenkzeit war für mich damit klar: adios Agentur. Und ich habe gekündigt.

Aber natürlich nicht einfach so. Viele intensive Gespräche mit meinem Freund waren voraus gegangen, um alle Möglichkeiten und Risiken abzuwägen. Er stand damals schon total hinter mir und hat die nötigen unterstützenden (und kritischen!) Impulse gegeben.
Ich hatte mir Geld angespart, so dass ich ungefähr drei Monate ohne Einkünfte leben konnte (zugegebenermaßen eigentlich zu wenig, aber besser als nichts). Und ich hatte einen festen Plan, was ich in meiner Selbstständigkeit tun wollte und mir ganz viel Wissen angeeignet, wie ich es angehen würde. Den Job zu kündigen war keine Impulshandlung. Sondern sehr rational abgewägt und sorgfältig mit mir selbst ausgemacht. Klar war es ein unsicherer Schritt. Klar hat mir das Angst gemacht. Aber es war besser, als in der alten Lebenssituation zu verharren. 

Und, war es die richtige Entscheidung?

Ja, absolut. In dem Job war ich zu einem gestressten Maggie-Zombie mutiert. Ich war unglücklich und krank – und nun bin ich wieder ich selbst. Ich habe mir selbst einen Job geschaffen, in den ich als Tausendsassa meine vielfältigen Fähigkeiten und Interessen perfekt einbringen kann. Und auch wenn nicht immer alles super easy ist – ich bin aktuell so viel glücklicher als damals. Und so dankbar, diesen mutigen Schritt gewagt zu haben.

Ich hätte nun zwei Gelegenheiten gehabt, wieder in die Festanstellung zu kommen. Zwei Jobangebote, die ich ausgeschlagen habe, weil ich nicht zurück will. Und weil ich viel zu neugierig bin, wie es mit stahlpink weiter gehen wird!

Das ist kein Plädoyer für die Selbstständigkeit. Nicht jeder ist dafür geschaffen. Aber für mich ist es genau das Richtige! 

Überlegst du noch, dich selbstständig zu machen? Oder bist du es schon längst?

 

  1. Hallo Maggie,

    Das ist ein sehr interessanter Artikel.

    Ich kenne mich in einigen Punkten wieder, aber ich bin nicht so megamutig wie du. Während meiner Ausbildung war meine Berufsschule in Stuttgart und dort hatte ich Blockunterricht. Während dieser Zeit hatte ich heftige Kopfschmerzen. Besonders hoch waren meine Krankheitstage im 3. Lehrjahr.
    Als ich übernommen wurde, ging es mir besser. Aber ich merke, wenn es auf der Arbeig echt stressig wird und der Druck steigt, bekomme ich wieder Kopf- und Nackenschmerzen. Das möchte ich eigentlich auf die Dauer nicht.
    Ich überlege immer wieder, ob ich mein Leben nicht angenehmer gestalten kann. Aber ich wüsste nicht, wie ich genug Geld mit meiner Leidenschaft verdienen könnte… das ist mein Gehirngespinst 🤨

    Ich bin gespannt, wie es bei dir weiter geht

    Grüße Corinna

    • Hey Corinna, echt spannend, wie der Körper einem die Grenzen zeigt, oder?
      Ich hoffe du findest mal deine zufriedenstellende Lösung für dich! Und vielen Dank für deinen Kommentar!

      Lieber Gruß
      Maggie

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