#megamutig Messeerfahrungen

Meine Messe-Erfahrungen + 9 Tipps #megamutig-Podcast / Woche 44

Nach vier Tagen Messe habe ich einiges erlebt: tüchtige Koreaner, inspirierende Jung-Designer und viele Gespräche mit Großkunden. Falls du auch mal auf eine Messe möchtest, gebe ich dir neun Tipps mit, damit deine Messe-Erfahrung ein Erfolg wird.

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Transkript der Folge:

Hi Leute, willkommen zum megamutig-Podcast.

Ich bin Maggie und ich habe ein Experiment gestartet: ich mache mich selbstständig. Und ich nehme euch in meinem ersten Jahr mit. 

Ich habe nämlich gemerkt, dass viele in meinem Umfeld diesen Schritt mega mutig fanden und das bei vielen Fragen aufgeworfen hat. Vielleicht kann ich den einen oder anderen inspirieren oder aber als Negativbeispiel dienen, je nach dem, wie sich das Jahr noch entwickelt. stahlpink heißt das Label, das ich als Produktdesignerin gegründet habe und auch über dieses Herzensprojekt berichte ich im #megamutig-Podcast.

Willkommen zu Woche 44 einhalb

Ja, es ist schon Mittwoch, normalerweise erscheint der Podcast am Montag. Aber am Montag stand ich noch voller Engagement auf der Tendence-Messe und habe meine Marke stahlpink präsentiert, deshalb kommt der Podcast jetzt erst. Und eben darum soll es auch in der heutigen Folge gehen: um meine ersten Messeerfahrungen. 

Ich bin immer noch ganz schön fertig, immerhin ging die Messe über vier sehr intensive Tage und ich bin gestern Abend erst wieder Heim gekommen. Aber ich dachte mir, dass ich euch meine Erfahrungen am besten sofort mitteile, solange die Erinnerung noch frisch ist! 

Als allererstes: warum eigentlich Messe?

Viele Labels verkaufen ja auf Märkten. Anders als bei „normalen“ Märkten, hat man auf Messen allerdings gute Chancen, dass Shopbetreiber oder Großhändler aufmerksam werden. Das ist der Grund, warum ich gerne auf eine Messe wollte: man macht nicht business to customer, sondern business to business und das kann bedeuten, dass man mehr einnimmt. Denn Großhändler bestellen auf einen Schlag eine Menge Produkte und das ist auf jeden Fall eine gute Sache!

Warum die Tendence-Messe?

Die Tendence-Messe ist eine Konsumgütermesse, auf der Trends aus verschiedenen Bereichen wie Deko, Wohnen und Schmuck gezeigt werden und auf der ein internationales Publikum unterwegs ist. 

Ich fand die Aussteller sehr renommiert, der Online-Auftritt hat einen guten Eindruck gemacht und die Messe war in Frankfurt, also nicht weit weg. 

Außerdem habe ich dort einen kostenlosen Stand bekommen. Das habe ich geschafft, indem ich mich als „Talent“ beworben habe. 

Einige Messen bieten für Newcomer vergünstigte oder sogar kostenlose Stände an. Bei der Tendence musste man sich im Vorfeld dafür bewerben.

Das ging ganz einfach online, indem man ein Formular ausfüllt, etwas zur eigenen Arbeit schreibt und Fotos hoch lädt.

Ich hatte das große Glück, mit stahlpink ausgewählt zu werden und somit einen komplett kostenlosen Messestand zu ergattern. Denn ganz ehrlich: zum aktuellen Zeitpunkt könnte ich mir einen Stand auf einer so renommierten Messe nicht leisten. Das kann normalerweise locker mehrere hundert Euro kosten, wenn nicht sogar tausende. 

Ich habe bereits mit einem Unternehmer gesprochen, der mir erzählt hat, dass er sich verschuldet hat, um einen Messestand zu bekommen. Wer den Podcast schon länger hört, weiß dass ich in Sachen Finanzen auf Nummer sicher gehe und solche Risiken niemals eingehen würde. Daher war es für mich eine grandiose Chance, einen kostenlosen Messestand zu bekommen.

Auch die Podeste und die Stellwände wurden uns Talents gestellt. Wir waren eine Gruppe von ca. 15 Leuten, die als Talents in der Kategorie Schmuck ausgewählt worden waren. Die Talents waren ganz unterschiedliche Designer aus aller Welt, und wir waren eine super tolle kleine Gruppe wie ich fand.

Und, wie war es?

Für mich war es insgesamt eine großartige Erfahrung. Alles war bestens organisiert und die anderen Talents sind mir in den vier Tagen Messe sehr an’s Herz gewachsen. 

Ich habe die Messe nicht nur als Katalysator für meine Marke gesehen, sondern hatte auch große Lust, mich inspirieren zu lassen und kreative Leute kennen zu lernen. Das hat auf jeden Fall geklappt. 

Normalerweise bin ich eine eher schüchterne Person und niemand, der einfach so Leute anquatscht. Aber ich war wirklich sehr motiviert, anderen von meiner Marke zu erzählen und Kontakte zu knüpfen.

Und ich habe gemerkt, dass da wohl jeder seine eigene Strategie hat: andere Talents haben darauf gewartet, dass die Messebesucher bei Fragen einfach auf sie zu kommen.

Ich hingegen habe einfach schon angefangen zu erzählen, wenn jemand an meinen Stand kam und einen interessierten Eindruck gemacht hat. 

Normalerweise bin ich ja nicht so und lasse die Leute gerne in Ruhe. Aber ich dachte mir, dass ich mal die Verkaufs-Maggie einschalte und dass sich die Leute meinen Stand näher anguckten, war für mich schon Zeichen genug, dass sie sich für die Marke interessierten. Und hinter stahlpink steckt ja eine ganze Menge, daher war es auch gar nicht schlecht, dass ich immer gleich zu erzählen angefangen habe.

Und, was habe ich so erzählt? Da auf der Tendence viele Fachhändler waren, haben sich viele im Besonderen für das Material und die Fertigungsart interessiert. 

Ich habe außerdem erzählt, was das Besondere an der Marke ist und wer die hauptsächlichen Kunden sind. Was meine Erfahrungen sind, wie die Ketten ankommen, was meine Inspiration ist usw. 

Um es mir selbst etwas interessanter zu gestalten und nicht jedem Besucher die gleiche Platte zu erzählen, habe ich vorher versucht abzuschätzen, was die Person interessieren könnte und damit angefangen. Am schönsten war es natürlich, wenn man gleich in ein Gespräch kam und ich keinen Monolog runter rattern musste.

Was ich vorher nicht wusste: wenn sich jemand interessiert zeigt, am besten nachfragen, ob der Besucher einen eigenen Laden hat und nach der Visitenkarte fragen. So kann man nach der Messe nachfassen. Und in den nächsten Tagen werde ich einige Mails mit dem stahlpink- Katalog im Anhang an die Leute verschicken, die mir ihre Visitenkarte hinterlassen haben. 

Ob es ein finanzieller Erfolg war? Ist momentan, also einen Tag nach der Messe, noch nicht abzuschätzen. Ich würde es aber auf jeden Fall als einen Erfolg verbuchen, ganz unabhängig von den Finanzen, weil ich tolle Menschen getroffen habe, die ich sonst nicht getroffen hätte. Designer aus Israel oder Argentinien, aus Holland oder Österreich, die alle ihre eigenen Erfahrungen gemacht haben, schon auf Messen waren oder auch erst Anfänger sind und alle einen ganz unterschiedlichen Stil haben. Viele waren sehr offen und wir haben uns während der Messe und auch abends miteinander ausgetauscht. So konnte ich noch einige Business-Tipps abgreifen oder mich von den anderen inspirieren lassen. Und das war auf jeden Fall sehr schön, denn nach neun Monaten alleine im home-Office sauge ich solche Kontakte förmlich auf.

Aber auf eine Messe geht man ja auch, um Business zu machen. Das habe ich auf jeden Fall: noch auf der Messe haben einige über extra Bestellformulare, die ich mitgebracht hatte, schon Produkte geordert. 

Einige wollten auch vor Ort kaufen, aber da die Tendence eine Order-Messe ist, ging das leider nicht. Aber auch für diese Privat-Kunden war ich gewappnet und hatte extra Flyer mit meiner Shopadresse und einem extra Rabatt-Code für Messebesucher dabei. So kann ich auch tracken, welche der Bestellungen in meinem Shop auf Messekontakten beruhen. 

Zwei Koreaner haben mich besonders beeindruckt, indem sie sehr interessiert waren, mir erzählt haben, dass sie über 300 Geschäfte beliefern und gefragt haben, ob ich auch tausend Produkte auf einen Schlag verkaufen könnte. Wenn solche Anfragen tatsächlich zustande kommen, wäre das natürlich ein Hit. 

Aber wie gesagt: die Standgebühr war kostenlos, ich hatte also nichts zu verlieren und empfinde die Messe auch ohne tausende von verkauften Produkten als Erfolg. 

Nächstes Mal würde ich mir wünschen, viel mehr Produkte dabei zu haben. Im großen und ganzen hatte ich nur sechs Schmuckstücke aus zwei Kollektionen zu präsentieren, was echt etwas wenig war. Leider war die dritte stahlpink-Kollektion nicht rechtzeitig fertig. Aber beim nächsten Mal sollte das kein Problem sein. 

Werde ich wieder auf Messen gehen?

Ja, auf jeden Fall! Ich habe große Lust, noch verschiedene Messen auszuprobieren. Einige der Talents sind sogar international auf Messen unterwegs, das finde ich ganz toll! 

So kann man unfassbar viel mehr interessierte Menschen kennen lernen, die deine Produkte möglicherweise in ihre Läden oder Galerien aufnehmen, eine super Sache also!

Meine Tipps:

1. connecte dich mit deinen Stand-Nachbarn: eine Messe ist ein super Ort, um dein Netzwerk auszubauen. Es gab am ersten Messeabend ein get together und die Chance haben die meisten Talents genutzt, um sich besser kennen zu lernen. Auch wenn du nicht das Glück hast, Teil einer solchen Gruppe zu sein, vielleicht kannst du dich deinem Standnachbarn vorstellen und so Verbündete finden.

2. nutze die Messe als Inspiration, auch um dein eigenes Business auszubauen. Ich habe so viele spannende Trends und neue Fertigungsweisen gesehen und bin nun total aufgeladen mit Inspiration. Das ging leider nur, indem ich meinen eigenen Stand auch mal verlassen habe, aber das war es mir wert.

3. lass dich nicht ermutigen, wenn mal niemand kommt. Auf der Tendence war es streckenweise super ruhig. Aber frustriert in der Ecke zu hocken bringt da nichts. Ich hatte meinen Laptop dabei und habe etwas gearbeitet, wenn es ruhiger war, war aber auch gleich präsent, wenn Besucher an meinen Stand kamen. So war es teilweise auch so, dass 2-3 Stunden lang kein guter Kontakt zu Stande kam, nach dem Leerlauf dann aber ein besonders spannender Kunde kam. You never know. Einfach am Ball bleiben.

4. achte auf dich. Vor allem vier-Tages-Messen sind hart. Die Tage sind lang. Ich war abends immer noch aus und die Tage wurden dadurch noch länger. Die anderen waren so gesellig und gut drauf, dass auch einiges an Alkohol floss, was vielleicht nicht immer das Beste ist, um am nächsten Tag voll präsent zu sein.

Aber ich habe trotzdem versucht, so früh es ging in’s Bett zu kommen, gut zu essen, indem ich mir morgens genug zu essen für den Tag in einem Supermarkt besorgt habe. Man muss nicht ungesund leben auf Messen, man kann sich auch im Vorfeld mit Obst und Gemüse eindecken.

5. und als extra Tipp um Geld zu sparen: gehe einfach im Supermarkt einkaufen, denn die Messepreise für Lebensmittel sind schon etwas teurer und es ist nicht unbedingt immer lecker. Um Geld zu sparen habe ich mir auch rechtzeitig ein Airbnb gebucht, denn die Hotelpreise steigen zu Messezeiten. 

6 sich auf ein internationales Publikum einstellen. Ich hatte leider nur Flyer und Visitenkarten auf Deutsch, eine englische Variante wäre nicht schlecht gewesen. Und sich über die eigene Marke und die Produkte auf Englisch unterhalten zu können, ist auch nicht verkehrt. Das kann man sich im Vorfeld ja ganz gut zurecht legen.

7. der Tipp für Schüchterne: richte dich so auf die Messe ein, dass es für dich passt. Wenn du nicht so outgoing bist, ist das auch total ok. Hauptsache, du bist authentisch. Sich für die Zeit der Messe zu verstellen und sich selbst damit fertig zu machen, klappt nämlich nicht, das wäre viel zu anstrengend. 

Ich habe mir gesagt, dass meine Schüchternheit mich auf der Messe nicht weiter bringen wird und konnte so für einige Zeit etwas mehr aus mir raus kommen. Aber wenn das bei dir nicht geht, ist das nicht schlimm. Es waren auch einige andere Aussteller da, die zurückhaltender waren und durch ihre Produkte Aufmerksamkeit erzeugt haben. Damit will ich sagen: auch wenn du ein schüchterner Mensch bist, kannst du trotzdem auf Messen gehen und da punkten. 

8 Vorbereitung ist alles: auf jeden Fall verschiedene Flyer und genügend Visitenkarten mitbringen. Bei den Visitenkarten habe ich mich echt verschätzt und zu wenig mitgebracht. Dabei gingen die am besten weg.

9 wie findet man geeignete Messen? Das mache ich ganz einfach über Instagram: ich folge vielen Designern und Marken und die zeigen ja auch gerne mal, auf welchen Messen sie sich rumtreiben. Die schreibe ich mir auf eine Liste und schaue nun, ob ich mich dafür bewerbe. Ganz einfach. Auch über den Austausch auf der Messe habe ich einige Empfehlungen bekommen, das ist immer Gold wert.

– und was ich zur Stand-Optik gelernt habe: nächstes Mal werde ich auf jeden Fall große Bilder meiner Produkte ausdrucken und an die Stand-Wände anbringen. Ich hatte mir im Vorfeld echt Gedanken gemacht, aber ich glaube so groß ausgedruckte Bilder hätten eine bessere Fernwirkung erzeugt und evtl. noch mehr Leute an meinen Stand gezogen, als mein realisierter Stand, den ihr euch auf meinem Instagram-Account @stahlpink anschauen könnt.

Aber man lernt ja nie aus.

So, ich hoffe es waren trotz meiner Erschöpfung nun einige Insights für euch dabei! Übrigens war eine fleißige #megamutig-Podcast-Hörerin an meinem Stand, das hat mich besonders gefreut, also liebe Grüße an dich liebe Anna-Lena. Podcasten ist ein einsames Metier, zu meinen wöchentlichen Monologen bekomme ich ja keine Rückmeldung. Deshalb freue ich mich umso mehr, Feedback zu bekommen. Sie hat mir super Rückmeldungen zum Podcast gegeben, und falls du das auch mal machen möchtest, dann hinterlasse mir doch eine Rezension auf iTunes oder einen Kommentar auf dem Blog. Wenn du die Produkte mal sehen möchtest, die ich ausgestellt habe, dann schau mal auf www. stahlpink.de vorbei, ich freue mich! 

So, nun muss ich meine Taschen auspacken, das habe ich nämlich noch gar nicht gemacht! Bis zum nächsten Mal beim #megamutig-Podcast!

 

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