#megamutig podcast over planning

Over planning – #megamutig-Podcast / Woche 15

Wer kennt das nicht: man nimmt sich zu viel vor, versucht die Aufgaben schnellstmöglich und trotzdem gut zu bewältigen, ist am Ende des Tages fix und alle und doch gleichzeitig frustriert, weil man die eine oder andere Aufgabe auf der to-do-Liste nicht abhaken konnte – die Zeit war einfach zu kurz. Over planning ist ein Problem, das viele kennen und das sogar krankhaft werden kann. In der neuen Folge des #megamutig-Podcasts erzähle ich euch, wie ich damit umgehe.

#megamutig auf iTunes:
Hier geht’s lang!

Shownotes:

– Obsessive-compulsive personality disorder: Artikel auf Huffingtonpost und Wikipedia

Transkript

Hi Leute, willkommen zum megamutig-Podcast.

Ich bin Maggie und ich habe ein Experiment gestartet: ich mache mich selbstständig. Und ich nehme euch in meinem ersten Jahr mit.

Ich habe nämlich gemerkt, dass viele in meinem Umfeld diesen Schritt megamutig fanden und das bei vielen Fragen aufgeworfen hat. Vielleicht kann ich den einen oder anderen inspirieren oder aber als Negativbeispiel dienen, je nach dem, wie sich das Jahr noch entwickelt.

Willkommen zu Woche 15!

Ich nehme euch mal in einen typischen Arbeitstag von mir mit: den starte ich am Schreibtisch, schaue in meinen Wochenkalender, was ich mir für die Woche vorgenommen habe und was ich heute erledigen möchte. Neben wöchentlichen Aufgaben, wie jede Woche einen Blogpost zu veröffentlichen und eine Podcast-Folge aufzunehmen, habe ich auch noch tägliche Aufgaben wie Bestellungen zu verpacken, weiter an kommenden Produkt-Kollektionen zu arbeiten und dazu auch noch random stuff, der einfach mal erledigt werden muss, wie neues Material zu bestellen, Mails und Anfragen zu beantworten.

Ich setzte mich also hin und schreibe mir auf, was ich heute erledigen möchte, eine todo-Liste. Meistens hat meine Liste 10-14 Punkte. Manche davon kann ich fix abhaken, für andere brauche ich länger. Um mir darüber einen Überblick zu verschaffen, setzte ich mir Zeitblöcke in meinen Kalender am Computer, ähnlich wie bei einem Stundenplan. Die Zeitblöcke haben die Länge von 15 Minuten bis ca. 60 Min. Da sehe ich schon, dass das alles etwas eng werden könnte – aber egal, ich bin ja fix und muss mich einfach ran halten. Also husche ich von einer Aufgabe zur nächsten, hake auf meiner to-do-Liste ab und gucke immer wieder in meinen Stundenplan, ob ich noch in der Zeit liege.

Schon mittags merke ich, dass ich meine Zeitblöcke immer weiter nach hinten verschieben muss. Ich gebe mir ja Mühe, jeder Aufgabe trotzdem genügend Aufmerksamkeit zu widmen und sie gut zu machen – und das dauert einfach manchmal länger – das scheint mein ich, das die todo-Liste morgens aufsetzt, aber manchmal zu vergessen. Wie eine Lawine werden die Aufgaben nach hinten getragen, zum Ende des Tages hin. Gegen 19 Uhr habe ich zwar den Großteil der Aufgaben geschafft, bin aber fix und fertig und ein bisschen frustriert, weil ich einiges mal wieder nicht erledigt habe- gegen 19 Uhr hatten sich dann plötzlich mehrere Zeitblöcke nebeneinander in den Plan gequetscht. Traurig nach hinten verfrachtet. In den Kalender kann man wunderbar mehrere Sachen gleichzeitig legen. Aber leider kann ich mich nicht aufteilen und muss daher einige dieser Zeitblöcke auf den nächsten Tag verschieben. Der leider auch schon ziemlich voll ist.

Ich habe vor einiger Zeit ein Bild auf Instagram gepostet, darauf war ein Spruch zu lesen, der hieß: „Over planning kills magic“. Ich weiß schon gar nicht mehr, wo ich diesen Spruch das erste Mal gesehen habe, aber ich habe mich sofort davon angesprochen gefühlt.

Weil ich zu diesem Zeitpunkt schon gemerkt habe, dass etwas nicht stimmt. Mir war diese besondere magic abhanden gekommen.

Unter magic verstehe ich, die Freiheit, Kreativ zu sein, abseits von Bekanntem Ideen zu entwickeln, über den eigenen Tellerrand zu blicken und sich dabei von der eigenen Inspiration leiten zu lassen. Ich glaube für Kreative und wahrscheinlich für alle anderen auch, ist es sehr wichtig, flexibel zu bleiben und so auch mal was neues auszuprobieren und kreative Lösungen zu finden.

Es ist die Inspiration, die man findet, wenn man zwischendurch auch mal prokrastiniert, durchatmen kann und einen freien Kopf hat. Ich habe immer die besten Ideen und bin inspiriert, wenn ich keiner starren Struktur folgen muss.

Wie ist mir diese magic abhanden gekommen?

Als ich mein business, also meine Marke stahlpink gestartet habe, hatte ich immens viel zu tun. Die erste Kollektion musste gestaltet und produziert werden, dann der Shop aufgesetzt und so weiter. Ich habe mir jede Woche aufgeschrieben, was ich am Ende der Woche erreicht haben wollte. Also einige Überziele. Und die habe ich dann runtergebrochen auf kleine Aufgaben und diese auf jeden Tag verteilt. Das hat super geklappt – anfangs. Ich habe alles stur abgearbeitet und war wenig gnädig mit mir. Habe mir die Wochen richtig schön zugepackt, und vor allem am Anfang will man ja viel schaffen – und das ist auch gut so.

Ich habe es nun drei Monate lang geschafft, das so durchzuziehen und war wirklich ein Muster an Effizienz und Produktivität.

Leider ist dabei irgendwann diese gewisse Magic verloren gegangen. Ich kann kaum noch sagen, was mich überhaupt inspiriert oder nehme mir Zeit für Spaß an der Kreativität. Selbst das Gestalten der zweiten Kollektion war so ein täglich wiederkehrender Zeitblock in meinem Kalender – dabei mache ich ja was ich liebe und sollte Spaß daran haben. Vor allem beim Gestalten. Aber es war auch nur noch eine Aufgabe, die ich möglichst schnell und effizient fertig stellen wollte. Traurig.

Was tue ich dagegen?

Ich habe fest gestellt, dass ich auch etwas Freiraum brauche. Zum runter kommen, zum Gestalten, für Achtsamkeit. Mein Job soll nicht in purer Frustration ausarten, nur weil ich meine blöden Stundenblöcke nicht einhalten kann. Und ich muss einen Gang runter schalten.

Das erkannt zu haben ist auf jeden Fall ein wichtiger Schritt.

Bei meiner Recherche zu diesem overplanning-Problem habe ich raus gefunden, dass dieses Verhalten sogar pathologisch werden kann. Dabei handelt es sich um im Englischen Obsessive–compulsive personality disorder. Es ist eine Zwangsstörung, bei der man sehr ordentlich und perfektionistisch ist, bis in die Details. Man möchte alles kontrollieren und tendiert dazu, zum Worcaholic zu werden. Personen mit dieser Störung haben Probleme zu entspannen, haben ständig das Gefühl, dass die Zeit zu schnell verrinnt und dass sie sich noch viel mehr anstrengen müssen, um ihre Ziele zu erreichen. Sie planen ihre Aufgaben minutiös – darin zeigt sich die Tendenz, alles kontrollieren zu wollen. Dinge, die unvorhergesehen eintreffen, werden verachtet, weil man diese ja nicht kontrollieren kann. Ich verlinke euch die Artikel dazu in den Shownotes. Diese Beschreibung klingt ziemlich heftig finde ich und so will ich auf keinen Fall enden, und ihr bestimmt auch nicht. Menschen mit solchen Zwangsstörungen müssen in Behandlung – aber für mini-Workaholics wie mich muss das zum Glück nicht sein.

Eingangs habe ich ja von dem Instagram-Post berichtet und einige Reaktion bekommen. Hier sind also einige Tipps:

Die liebe Lilli (@lillikoisser) hat mir auf Instagram den Tipp gegeben, zwischen den Aufgabenblöcken im Kalender immer eine Viertelstunde Luft zu lassen – so wird der Tag luftiger. Und das mache ich nun auch. Eine andere Instagrammerin, die Debora (@debora_jehkul) meinte, dass sie sich auch einfach schon freut, wenn sie die Hälfte davon geschafft hat, was sie sich vorgenommen hat. Und sie hat total recht. Meistens ist das auch schon total viel. Es ist ein mindset-shift: das Positive zu sehen, das was man tolles erreicht hat – anstatt frustriert zu sein, über die paar Aufgaben, die liegen geblieben sind.

Katrin (@studio.lifeart.katrin) meinte, dass sie sich einen Plätzchenback-Tag mit Kreativitätszeit frei hält.

Den Tipp finde ich ziemlich gut – wobei der Tag bei mir wahrscheinlich nicht mit Plätzchenbacken gefüllt wird, sondern mit einem kompletten Tag, der nur dem Gestalten von neuen Produkten gewidmet sein wird. Inklusive Recherche, Modellbau und so weiter. Und dabei einfach der Inspiration zu folgen, statt einem durchgetakteten Plan. Das kam nämlich in letzter Zeit eindeutig zu kurz – auch wenn ich mich total auf die neue Kollektion freue, die momentan schon produziert wird.

Und ich versuche einfach etwas lockerer zu sein. Keine Ahnung, wem ich was beweisen wollte, aber ich war doch arg verbissen, so viel wie möglich in kurzer Zeit zu schaffen. Das ist der Nachteil, wenn man sich hohe Ziele setzt: die Leichtigkeit kann verloren gehen.

Ich glaube, es geht nicht immer darum, mehr, mehr und mehr zu schaffen, sondern Dinge intensiver, besser und mit mehr Inspiration zu machen. Und das kostet zwar Zeit, aber dafür ist das Endergebnis bestimmt besser.

Wir Selbstständigen können uns den Tag und die Aufgaben selbst einteilen, aber auch den Druck, den wir uns deshalb machen. Mir hält niemand eine Knarre an den Kopf und sagt, dass ich die Produkte schneller gestalten muss, um dann noch schnell die Mails und Anfragen beantworten zu können. Der Druck kommt von mir selber. Und das zu erkennen und mir nun weniger vorzunehmen, war eine wichtige Erkenntnis für mich.

Habt ihr auch Tipps für einen entspannteren Umgang mit der Planung und Frustration über nicht erledigte Aufgaben? Ich freue mich sehr über den Austausch!

Wenn dir dieser Podcast gefällt und du mich unterstützen möchtet, dann hinterlasse mir gerne eine 5-Sterne-Bewertung auf iTunes! Wenn du mich auch mal sehen möchtest, folge mir auf @stahlpink auf Instagram! Und falls ihr mehr von mir lesen möchtet, gehe auf www.stahlpink.de. Ich wünsche dir einen tollen Start in die neue Woche und ein entspanntes Arbeiten. Bis zur nächsten Woche beim megamutig-Podcast!

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