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Turning points – nimm sie in die eigene Hand

Jeder kennt wohl die Phasen, in denen das Leben eine Wendung nimmt, die man so nicht geplant hat. Doch diese Momente der Ungewissheit können uns auch die Augen öffnen.

Frida ist eine fröhliche junge Frau, kreativ und phantasievoll. Doch von einem Tag auf den anderen ändert sich ihr Leben: bei einem furchtbaren Busunfall durchbohrt eine Metallstange ihren Körper. Sie überlebt, doch Schmerzen und furchtbare medizinische Behandlungen begleiten sie ein Leben lang. Und nach dem Unfall ist sie monatelang an’s Bett gefesselt und darf sich nicht mehr bewegen.
Doch sie ist eine Kämpferin. Ihre Kreativität wird während der langen Genesungszeit geweckt und sie beginnt zu malen. Ihre Bilder zeigen Selbstporträts und stellen eindrücklich ihre furchtbaren Schmerzen dar.

Heute gilt Frida Kahlo als eine der bedeutendsten Malerinnen und ist mit ihren markanten Augenbrauen, folkloristischen Kleidern und ihrem Blumenhaarschmuck zur Kultfigur geworden. Niemand weiß, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn es diesen Unfall nicht gegeben hätte. Möglicherweise wäre sie trotzdem eine gefeierte Malerin geworden. Oder sie wäre ihrem ursprünglichen Plan gefolgt, Ärztin zu werden und ihre Werke als Malerin wären nie entstanden.
Der Busunfall war ein furchtbares Ereignis, das man niemandem wünscht. Aber er war auch ein turning point, der Fridas Leben in eine neue Bahn gelenkt hat.

Turning points, ein Begriff, der dir sicher noch aus dem Deutschunterricht in Erinnerung ist. Ein Wendepunkt im Leben des Protagonisten, der dessen Leben in eine neue Bahn lenkt. Eine Krise, die ihn oder sie dazu zwingt zu handeln und bisherige Einstellungen zu hinterfragen. Oder auch der Moment der Einsicht: ein Detektiv, der endlich das Rätsel löst. Im Roman ist der turning point die Stelle mit der größten Spannung. Diese Momente gibt es nicht nur in Büchern oder Filmen, sicher kannst du dich auch an ein entscheidendes Ereignis aus deinem eigenen Leben erinnern. Ich hoffe sehr, dass es kein Busunfall war. Manchmal sind turning points Trennungen, das Ende von Freundschaften, ein Studium, das abgebrochen wird. Wendepunkte, die wir so nicht vorhergesehen haben.

„Das Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Søren Kierkegaard

In dem Moment, in dem solche Dinge passieren, fühlt es sich furchtbar an. Man ist gelähmt, weiß nicht wie man handeln soll. Es ist unbegreiflich, warum einem selbst so etwas passiert. Doch im Nachhinhein betrachtet sind turning points oft Momente, an die man sich als Augenöffner erinnert. Man wächst an den Erfahrungen, nutzt sie als Absprungbrett für etwas Neues, Größeres, Tolleres.

Ich bin ein absoluter Kontroll-Freak. Ich hasse turning points. Ich kann es nicht leiden, wenn etwas meine Pläne durchkreuzt. Aber da so oft Dinge geschehen sind, die ich nicht voraussehen konnte, hatte ich in meinem Leben schon mehr unterschiedliche Lebenspläne, als ich zählen kann.

Gott war ich traurig, als die Beziehung zu meinem ersten Freund zerbrach. Nun denke ich, dass mir nichts besseres hätte passieren können, als diese Trennung. Dabei wollte ich doch damals für immer mit ihm zusammen bleiben! Drei lange Beziehungen später weiß ich, dass es unmöglich ist, die Liebe von „temporär“ auf „für immer und ewig“ zu stellen.
Es war niederschmetternd, bei der Studienwahl Absagen zu bekommen. Aber im Nachhinein weiß ich ganz genau, dass diese Wahl mir nichts gebracht hätte und bin froh, einen anderen Weg gegangen zu sein.

Das Leben ist eine irre Achterbahn, die wir nicht kontrollieren können. Es werden ganz sicher auch in Zukunft Dinge geschehen, die uns, mich und dich herausfordern werden. Die beschissen sind, die wir am liebsten vergessen oder ungeschehen machen wollen.

Sicher sagst du dir jetzt: die hat gut reden, ich fühle mich wie ein schlappes Fähnchen im Wind und habe keinen Plan, wie es weiter gehen soll. Aber glaube mir, an so einem Punkt ist jeder Mal.
Der Schlüssel zu einem guten Umgang mit turning points ist es, sie konstruktiv anzugehen. Wenn sich der erste Sturm gelegt hat, die Situation von außen zu betrachten. Frage dich: was kann ich aktuell tun, um besser mit der Situation klar zu kommen? Manchmal bedeutet es, mutig zu sein und die Dinge anpacken. In anderen Fällen kann man aber auch nichts anderes tun, als die Situation zu akzeptieren, wie sie ist. Und danach einen neuen Plan zu schmieden.

Das Gute ist, dass solche herausfordernden Wendepunkte dich nicht für immer beschäftigen werden. Es sind wichtige Ereignisse, aber selbst über die schlimmste Trennung, eine Kündigung oder den Abschied eines geplanten Lebensweges kommt man irgendwann hinweg. Vielleicht wird dein Erfahrungsschatz dadurch reicher und deine Arbeit und Persönlichkeit ausdrucksstärker, so wie bei Frida.

Wie stehst du zu Wendepunkten oder turning points, hast du sie auch schon erlebt? Und wie bist du damit umgegangen?

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