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Um Hilfe bitten – warum es so schwierig ist und was es für ungeahnte Effekte hat

Um Hilfe oder um einen Gefallen bitten – nichts ist mir so unangenehm wie das. Alles alleine hinbekommen, das ist normalerweise meine Devise. Doch nun musste ich eine riesen Menge an Menschen um einen Gefallen bitten – und bin überrascht von den Effekten.

N
o man is an Iland“ – so hat es John Donne (ein Zeitgenosse von Shakespeare) formuliert. 

An Iland – ohne „s“ geschrieben – könnte also auch übersetzt werden mit: niemand ist ein Ich-Land.

Das finde ich spannend – denn ich habe es mir auf meinem Ich-Land so richtig schön eingerichtet. Es gibt ein gemütliches Bett, mein Home-Office, eine ständig laufende Kaffeemaschine, im Hintergrund dudeln die Gilmore Girls auf Dauerschleife und irgendwo springt noch ein Einhorn rum. So stelle ich mir mein Ich-Land vor. Ein bisschen sieht mein Alltag tatsächlich so aus. Ich habe es mir fein gemütlich gemacht in meiner Welt. 

Alles alleine hinbekommen

Wie stolz war ich, meine eigene Webseite zu bauen. Wie toll ist es, wenn ich Hacker-Angriffe alleine erfolgreich abwehren kann, ohne Ahnung von Informatik. Marketing, Design, Buchhaltung. Ich bin stolz wie bolle, das alles alleine bewältigen zu können. Und auch richtig gut, oder?!

Doch manchmal bleibt es nicht aus: man muss auf andere zugehen. Aus der heilen Welt der „Ich-mach-alles-alleine,-ich-helf’-mir-selbst“-Mentalität heraustreten und andere um Rat fragen. Oder eben um Hilfe bitten.
Das macht verletzlich.

Guter Rat ist teuer

Schon um Rat zu fragen, kann schwierig sein. Die Webdesignerin aus meinem Bekanntenkreis wird gefragt, welche Plugins ich sinnvollerweise installieren soll. Die Fotografin-Freundin wird schüchtern zu Equipment-Tipps herangezogen. Die Bloggerin aus meinem Netzwerk versuche ich durch die Blume um Tipps für die Außenwirkung zu bitten.

Doch was ist, wenn die das gar nicht verraten wollen? Die verdienen damit ihr Geld, das sollte ich sie alles nicht fragen. 

Gefühle: Unsicherheit, Angst blöd dazustehen, weil man eine Wissenslücke hat.

 

Schon um diese Ratschläge zu fragen ist also heikel. Noch schwerer wird es, wenn ich um einen Gefallen bitten muss.

Wie aktuell: ich bin für den Unternehmerhelden-Award nominiert. Dabei gibt es auch einen Publikumspreis. Und für diesen muss ich auf Stimmenfang gehen. Also möglichst viele Leute dazu bringen, für mich und mein Label abzustimmen, damit ich diesen Preis gewinne.

Puh! 

Gar nicht so einfach. Ein riesen Schritt aus meiner Ich-Insel und meiner Komfort-Zone. 

Andere um einen Gefallen oder um Hilfe zu bitten, heißt nämlich für mich, anderen auf den Keks zu gehen. Ja, ich bin mir im ersten Moment fast sicher, dass ich sie mit meinem Anliegen unfassbar belästige.

Gefühle: Angst, blöd dazustehen und wie eine Bittstellerin zu wirken. Scham.

 

Also: andere um einen Gefallen zu bitten, kann ein riesen Schmerz sein. Und doch habe ich es getan: ich habe mich selbst überwunden und versucht, eine Aufmerksamkeitswelle zu schlagen: einen Aufruf auf Instagram gemacht. Alle Freunde und Familienmitglieder mobilisiert, mir zu helfen.

Und, haben Follower und Freunde mit Genervtheit reagiert? Mich wie eine Bittstellerin behandelt?

Nein, genau das Gegenteil ist passiert. Eine Woge an Euphorie kam zurück. So viele Leute, die ohne zu zögern sofort mitgemacht haben! Und nicht nur das: die den Link zum Award geteilt haben – in ihren Instagram-Stories, in ihren privaten Mami-WhatsApp-Gruppen oder unter den Kollegen.

Durch das Teilen wurden sogar ganz neue Leute auf mein Label aufmerksam – und bestellten in meinem Shop. Der Kontakt zu alten Freunden wurde wieder wach und schrieben mir, dass sie noch gar nichts von meinem neuen Label gehört hatten (diese Leute soll es geben).

Jedenfalls: diese positiven Reaktionen hatte ich vorher nicht erwartet und die tollen Nebeneffekte hatte ich vorher nicht geahnt. Umso glücklicher bin ich, dass ich es mich getraut habe, über diesen miesen Schatten in Form einer Bittstellerin zu springen und andere um diesen Gefallen zu bitten. 

Gefühle: Freude, Euphorie, Verbundenheit

 

Die Abstimmung läuft nun schon seit zwei Wochen. Und in dieser Zeit habe ich erkannt: um Hilfe und Unterstützung zu bitten ist nichts Schlimmes. Es ist eine menschliche Geste. Und kann zu mehr Verbindung führen. Es bedeutet nicht, dass ich nicht klar komme und nicht eigenständig bin. Sondern dass es manchmal eine Masse an Menschen braucht, um etwas zu bewirken. Crowd-Funding-Kampagnen boomen nicht umsonst. Es gibt sogar Bands, die ohne Label klar kommen und einfach ihre Fans um Geld bitten – ganz ohne Scham.

Wen man nicht fragt, ist die Antwort von vornherein nein. Deswegen bitte ich auch dich, noch schnell beim Unternehmerhelden-Award für stahlpink abzustimmen. Die Teilnahme ist noch bis zum 31.10.18 möglich und ich bin immerhin schon auf Platz 5!
Danke!

Und, wie sind deine Erfahrungen damit, um Hilfe zu bitten?

 

mehr dazu auf stahlpink:
– Gestern vor einem Jahr – mein Weg in die Selbstständigkeit
– Wie ich meine Ängste (fast vollständig) verloren habe
Zukunftszweifel ade!

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