vom Gollum zu Pippi stahlpink Selbstbewusstsein

Vom Gollum zur Pippi: Auf das Urteil der anderen scheißen

Fragst du dich auch ständig, was andere von dir denken? Willkommen im Club! Was Gollum und Pippi damit zu tun haben, dazu mehr in der Kolumne.

Als Teenies hatten wir es wohl alle schwer: mangelndes Selbstbewusstsein, seltsamer Kleidungsstil und keine Ahnung, wie man bloß diese verdammte Akne abdecken soll. Ich habe besonders schlimme Erinnerungen an meine Teenager-Zeit, denn ich war zu allem Übel auch noch ein seelisches Wrack. Ständig habe ich überlegt, was die anderen wohl von mir denken könnten, wie sie mich finden und warum sie mich nicht mögen. Mannomann, habe ich unter mir selbst gelitten! Meine Güte, war ich anstrengend!

Ich wollte mich am liebsten dauernd verstecken (habe ich meine halbe Jugend auch) und habe kaum den Mund aufbekommen – weil ich dann ja etwas sagen würde und mich dann eine halbe Ewigkeit damit quälen würde, ob das was ich gesagt habe, denn richtig war und bestimmt habe ich das eine Wort sowieso falsch ausgesprochen und ich sollte keine schweren Wörter verwenden und bei dem anderen Wort habe ich ein bisschen gestottert, wie unfassbar peinlich und außerdem warum habe ich überhaupt was gesagt es ist doch eh nur Mist und meine Meinung zählt nicht, was denken die anderen denn jetzt nur?

Ja ich war ein unfassbar nervöses, schüchternes und unsicheres Mäuschen. Diese Gefühle der Unsicherheit und die fast schon zwanghafte Angst vor dem Urteil der anderen gingen bis in meine Zwanziger. Gott, was war das für eine anstrengende Zeit! Ständig davon bestimmt zu werden, was die anderen denken könnten! Denn verflixterweise wusste ich es nicht. Und daher habe ich in dieser traurigen Zeit der Unsicherheit die schillerndsten Horrorszenarien entworfen und jede kleinste uneindeutige Geste eines anderen gleich zu meinem Ungunsten ausgelegt. Nächtelang habe ich wachgelegen und über peinliche Momente nachgedacht, die teilweise lächerlicherweise schon Monate zurück lagen. Andere bewundert, die selbstbewusst und nicht so armselig wie ich daher kamen.

 

Ich beende nun besser die Darstellung meines früheren Selbst, so lange ist das nämlich alles noch gar nicht her. Aber ich habe es geschafft, eine Kehrtwende hinzulegen, eine Verwandlung wie von Gollum in Pippi Langstrumpf. Ich würde mein 19-Jähriges Gollum-Selbst am liebsten in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles halb so wild ist und wie gelassen das Leben sein kann und wird, wenn man auf das Urteil der anderen scheißt.

„There is only one way to avoid criticism: do nothing, say nothing, and be nothing“ Aristoteles

Das ist nämlich der Schlüssel: weniger Wert auf das Urteil der anderen legen. Wir wissen ja gar nicht, was andere denken (zum Glück) und vielleicht ist es gar nicht so negativ. Und selbst wenn, das Urteil der anderen sagt mehr über dein Gegenüber aus als über dich. Wie Aristoteles schlau erkannt hat, ist wohl die einzige Möglichkeit, Kritik zu vermeiden, nichts zu tun und zu leisten. Aber wer will schon so ein Leben?

Ich nicht! Und du hoffentlich auch nicht, daher habe ich dir die Steps, die zur Verwandlung vom nervigen Gollum in die selbstbewusste Pippi beigetragen haben, zusammengefasst:

1. Bewusst anecken:
Ich glaube die Wende kam bei mir, als ich den Master angefangen habe, umgezogen bin und auf ganz andere Leute getroffen bin, als ich es gewöhnt war.
Ich war im Bachelorstudium umgeben von einer quirligen und künstlerisch angehauchten Studententruppe, doch im Masterstudium bin ich auf einen ganz anderen Menschenschlag getroffen. Nett ausgedrückt betrachtete dieser neue Haufen von Leuten Humor und Geselligkeit als exotische Sitten. Wohl oder übel musste ich mit ihnen klar kommen und bin hier und da sehr angeeckt. Und je mehr und öfter das passiert ist, desto leichter ist es mir gefallen. Es ist eine kleine Herausforderung, aber es wirkt. Sei du selbst – damit wirst du garantiert anecken und das ist auch total ok so.

2. Wer sind die Quälgeister?
Frage dich mal ähnlich wie beim Perfektionismus: Wer ist es, vor dessen Urteil du dich sorgst? Und ist diese Person wirklich so relevant für dein Leben? Dir die Person hinter deinen quälenden Gedanken klar zu machen, kann sehr effektiv dazu beitragen, ihnen endlich Lebewohl zu sagen.

3. Wessen Urteil zählt?
Vor allem, wenn man selbst etwas schafft und veröffentlicht, macht man sich verletztlich. Die Meisterin der Verletzlichkeit, Brene Brown, hat dafür einen Tipp parat. In einem meiner Lieblingspodcasts “being boss” erklärt sie, dass man sich bewusst fünf Leute aussuchen soll, deren Urteil wirklich zählt. Fünf wertschätzende Menschen, die dich gut kennen und auf deren Urteil du vertraust. Diese Namen kommen auf eine Liste, die du dir gut sichtbar irgendwo hin hängst, z.B. über dein Bett. Alle anderen Leute lässt du von nun an gedanklich außer acht. Der fiese Prof., der dich früher fertig gemacht hat? Hat keinen Platz mehr in deinem Kopf, er steht nämlich nicht auf der Liste, yeah! Der furchtbare Lehrer, der dich hat durchsausen lassen? Auf ihn wird kein Gedanke mehr verschwendet, juhuu!

4. Lähmende Gedanken stoppen:
Wenn mir die Gedanken kommen, dass er oder sie ja dies oder das nun über mich denken könnte, habe ich ein Frühwarnsystem entwickelt. Sofort schaltet sich folgende Frage ein: „Bringen diese Gedanken mich gerade weiter?“
Wenn man an einem Ziel arbeitet kann dieses Bullshit-Radio im Kopf nämlich ganz schön ausbremsen. Also kurz durchatmen, bescheuerte Gedanken weg wedeln und weiter geht’s mit der Zielerreichung.

5. Man macht es eh nie allen recht:
Mir hat der Gedanke geholfen, dass man es ja doch nie allen recht machen wird. Der ehemalige Prof, die früheren Kommilitonen, die Lehrer. Die finden am eigenen Werdegang garantiert etwas auszusetzen. Und die Nachbarin von nebenan hätte eh keinen Deut auf berufliche Erfüllung gegeben und schon längst Kinder bekommen. Es wird also immer Leute geben, die an dir, deinem Lebensentwurf und deinen Entscheidungen etwas zu mäkeln haben. Es ist wie mit Salted-Caramel-Donuts. Einige gehen total drauf ab. Andere finden es eklig. Und wiederum andere möchten lieber einen Salat. Das sollte man akzeptieren und trotzdem ist es gut, dass es Salted-Caramel-Donuts gibt.

6. Weniger über andere urteilen:
Bei mir ging die Sorge, was die anderen denken könnten, mit starker negativer Beurteilung anderer einher. So unfair und fies ich mir selbst gegenüber war, so unfair und fies war ich auch anderen gegenüber. Sei also lieb zu dir und zu anderen, dann wird alles besser.

Fazit
Gönn dir eine Pause von der nervigen Frage, was die anderen denken könnten. Wir werden es sowieso nie erfahren und sollten uns davon also nicht aufhalten lassen. Und häufiger Salted-Caramel-Donuts essen und dabei Pippi Langstrumpf lesen.

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  1. Danke für diesen Beitrag, ich konnte mich (leider, oder auch nicht) 100% damit identifizieren! Beim Lesen war es, als ob du mich in meine Teenagerzeit zurückversetzt hast. Es ist definitiv ein “eye-opener” zu sehen/zu lesen, dass es anderen genauso geht oder ging und hilft dabei die Unsicherheit hinter sich zu lassen.
    Zum Glück liegt die Zeit jetzt aber in der Vergangenheit und mit den neuen Erkenntnissen kann die Zukunft nur rosig werden.
    Ich lese deine Beiträge unheimlich gern und finde es richtig gut wie du über Themen sprichst, die vlt unangenehm sind aber definitiv endlich mal angesprochen werden sollten!
    In diesem Sinne, weiter so. Ich freu mich auf neue Beiträge 🙂
    Cheers,
    Marina

    • Hallo liebe Marina,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Ja ich glaube es geht wirklich vielen jungen Mädels so, nicht nur uns 😉
      Ich freu mich sehr über dein Lob, ja ich schreibe wirklich über schwierige Dinge, aber das mache ich mittlerweile echt gerne 😉 vor allem bei so netten Leserinnen!
      Liebe Grüße
      Maggie

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