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Vorbilder – yay oder nay?

Über meine zwiespältige Einstellung zu Vorbildern und wer unser eigentliches Vorbild sein sollte.

Es ist Freitagabend, der Beamer wird angemacht, zur Pizza gibt’s eine Flasche Rotwein. Der Freund und ich klicken uns durch Netflix, etwas planlos, weil wir nicht wissen worauf wir Lust haben. Ich schlage die Biografie von Coco Chanel – „Der Beginn einer Leidenschaft“ vor, da ich in letzter Zeit häufiger auf diese Frau gestoßen bin (ihre Zitate fluten meinen Pinterest-Feed) und ich gerne mehr über sie erfahren möchte.

Durch den Film werden wir hineingezogen in eine Welt, wie sie vor 100 Jahren war: Frauen hatten es schwer, waren entweder finanziell abhängig von Männern oder mussten prekäre Anstellungen annehmen. Die Kleidung war ausladend, Zigarettenqualm omnipräsent.

In dem Film geht es darum, wie die junge Coco in einem Waisenhaus aufwächst, als Erwachsene als Schneiderin arbeitet, von einer Bühnenkarriere träumt, darin scheitert, eine Liebe findet, über den Verlust dieser Liebe trauert und ihr Unternehmen aufbaut.

Und es wird klar: diese Frau hatte Charakter, sie hatte es schwer und hat trotz aller Widrigkeiten Erfolg gehabt. Mit ihrer Geschichte vom armen Waisenkind zur toughen Business-Lady taugt sie ganz klar zum Vorbild.

Beim Schauen dieses Films wird man inspiriert von ihrer Schaffenskraft und Stärke. Ich habe einen persönlichen Bezug zu Coco aufgebaut: zu ihrem Charakter und zu ihrem steinigen Weg.
Und so entstehen Vorbilder.

Nach dem Film begann meine Coco-Phase: ich habe mich in verschiedene Biografien gestürzt und hätte mir am liebsten die Haare so kurz abgeschnitten wie sie. Diese Vorbilder machen also komische Dinge in einem: selbst ich als zugegebenermaßen Erwachsene hatte große Lust, sie ein Stück weit zu imitieren, mir etwas von ihrer kühlen Stärke und ihrer für damalige Zeiten innovativen Ausstrahlung anzueignen.

Von Vorbildern lernen

Kennt ihr die Story, dass Joanne K. Rowling die Anfänge von Harry Potter als arbeitslose Lehrerin in einem Café geschrieben hat und erst ein Mal viele, viele Verlage kontaktieren und viele Absagen einstecken musste, bis ihre Bücher endlich zum Erfolg wurden. Und jetzt hat sie eine unfassbare Bekanntheit und ist eine der reichsten Frauen der Welt. Joanne K. Rowlings Weg hilft mir, bei kleinen Niederlagen weiter zu machen. Sie zeigt mir, dass auch die erfolgreichste Autorin der Welt sich erst ein Mal durchbeißen musste.

Sophia Amoruso hat als junges Mädel ohne Hochschul-Abschluss aber mit einer großen Faszination für Mode Nasty Gal aufgebaut – ein Unternehmen, das zu einem Konzern anwachsen sollte. Sie ist Autorin des Buches #girlboss und ja, nach ihrem Leben wurde die gleichnamige Netflix-Serie produziert. Sie war 2016 „eine der reichsten Selfmade-Frauen Amerikas“, bis die Größe von Nasty Gal wohl über ihren Kopf wuchs. Das Unternehmen ging in die Insolvenz, aber sie hat aus ihrem Scheitern gelernt und mit girlboss ein tolles und inspirierendes Medien-Unternehmen gegründet.

Der Vorbild-Effekt

Es ist ein spannender Vorgang, den diese Vorbilder in uns auslösen können. Wir fühlen uns inspiriert, motiviert und fasziniert von dem Leben und den Werten der jeweiligen Person.

Solche Vorbilder zeigen heldenhafte Eigenschaften, wie Mut, Ehrgeiz, Kreativität und Durchhaltevermögen. Das sind Attribute, die wir alle gut gebrauchen können.

Schädliche Vorbilder

Sicher hast du es von deiner Mama schon gehört: es gibt auch negative Vorbilder – Leute mit Werten, die kritisch zu betrachten sind und die Schaden anrichten. Sei es der Influencer-Hype, der lächerliche Statussymbole fördert oder YouTube-Sternchen, die sich künstlich darstellen. Auch diese Menschen bekommen viel Aufmerksamkeit und dienen einer Masse an Menschen als Vorbild.

Ein weiteres Problem ist es, wenn ein Vorbild so stark überhöht wird, dass die Lebensleistungen dieser Person für einen Normalsterblichen, der ganz am Anfang steht, nicht erreichbar erscheinen. Die Vergleiche mit Vorbildern können also blockieren, das habe ich zuletzt selbst fest gestellt, als ich gelesen habe, dass Leandra Medine im gleichen Alter wie ich ist. Sie ist sogar am selben Tag wie ich geboren – wir beide hatten also haargenau die selbe Zeit auf dieser Erde, um unser Ding zu machen. Das bietet den perfekten Stoff dafür, meinen Lebensweg mit ihrem zu vergleichen.

Sie bloggt schon seit Ewigkeiten, kooperiert mit krassen Unternehmen und geht karrieremäßig heftig ab, während ich…ach lassen wir das!
Bei Vergleichen mit solchen Heldinnen fällt das Urteil für einen selbst meist eher schwach aus. Um dieser Frustration zu entgehen, versuche ich mich lieber von ihren positiven Eigenschaften als junge kreative Unternehmerin leiten zu lassen, als unsere Lebenswege allzu genau nebeneinander zu stellen.

Denn wir alle sind Individuen, wir haben unterschiedliche Leben und Ziele und das ist auch gut so! Mein Motto mit Anfang zwanzig war: „Wir alle werden als Individuen geboren, doch die meisten sterben als Kopien“. Schon damals wollte ich keine Kopie sein und will es auch immer noch vermeiden. Daher versuche ich ein gesund-distanziertes Verhältnis zu den glorreichen Leben anderer Frauen zu pflegen. Und mein eigenes Ding zu machen.

Vielleicht müssen es auch gar nicht die ganz großen Helden sein, die als Vorbild dienen. Vorbilder können auch Menschen aus dem realen Umfeld sein, also Leute die coole Projekte aufbauen und dadurch inspirieren, aber auch echte Probleme haben. Sieh’ dich mal um, mit Sicherheit fallen dir eine Menge solcher tollen Personen ein.

Oder man dreht den Spieß einfach um! Eine Botschaft, die ich hier geklaut habe und sehr einleuchtend finde, lautet:

“Be who you needed when you were younger.”

Du kannst nämlich auch als Vorbild für andere dienen. Und mit dem eigenen Dasein andere dazu ermutigen, ein tolles Leben zu führen, indem wir es vormachen und selber zu Heldinnen werden.

Meine Coco-Chanel-Phase hielt übrigens nur kurz an und der Drang, so wie sie zu sein, ist mittlerweile verpufft. Und meine Haare sind zum Glück noch dran.

Fazit

Große Vorbilder können mit ihrem Mut, ihrer Kreativität oder ihrem Durchhaltevermögen inspirieren. Dabei sollten wir ihre Erfolge nicht allzu kritisch mit unserem eigenen Lebensweg vergleichen, da dieser direkte Abgleich möglicherweise zu unseren Ungunsten ausfällt und somit blockieren kann. Wir sollten einfach versuchen, unsere eigene Geschichte zu schreiben und möglichst vielen als Vorbild zu dienen. Also ich bin schon dabei, wie sieht es bei dir aus?

 

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Hinweis: Dies ist ein redaktioneller Beitrag, er enthält Werbung (da Markennennung oder Verlinkung), aber unbezahlt und unbeauftragt.

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