stahlpink Blog Ziele 2019

Warum 2019 für mich ziellos wird


Ich habe genug von Zielen. Wie es dazu kam und was das alles mit blutigen Zehen zu tun hat, das gibt es in meinem sehr persönlichen Bericht über das letzte Jahr.

Ich habe mir für 2019 keine Ziele gesetzt. Zero. Auch keine guten Vorsätze. Kein Glanz und Gloria von neuen Anfängen oder motiviertem Durchstarten in’s neue Jahr.

Sportlich bin ich schon, Nichtraucherin, hab Normalgewicht und eigentlich keine schlechten Gewohnheiten, die ich unbedingt ablegen müsste. Also gibt es auf den ersten Blick (meiner Meinung nach) nichts zu optimieren. Außer der einen furchtbaren Gewohnheit: mir zu große Ziele zu setzen.

Ziele sind doch gut!

Aktuell ist es unter Coaches, Gründern und Selbstständigen sehr modisch, sich Ziele zu setzten. Als Motivationshilfe. Als Leitlinie, auf die man zusteuert. Das Prinzip finde ich super. Habe ich auch im letzten Jahr (das erste „komplette“ Jahr meiner Selbstständigkeit) mal ausprobiert.

Damals, als ich mein Jahresziel für 2018 angesetzt habe, war ich in einem Zustand großer Euphorie: grade drei Monate selbstständig. Am Anfang des Business-Aufbaus. Und ehrlicherweise keine eine Ahnung davon habend, wie der Business-Hase so läuft. 

Ich habe mir damals verschiedene Podcasts angehört und Methoden angeschaut, wie man sich Ziele setzt. 

Spezifisch, messbar, aktionsorientiert, realistisch, terminiert, – du kennst sicher die Smart-Formel.

Alles klar, messbar sollte es sein: also setzte ich mir ein finanzielles Ziel (logo, das machen doch alle so), terminiert ist auch klar: ein Jahr. Ich setzte mir eine Summe, die ich im Jahr 2018 erreichen wollte.

Doch an den einen oder anderen überambitionierten Podcast habe ich wohl zu stark geglaubt: „Setze dir ein finanzielles Ziel – und verdoppele diese Zahl! Wenn du nur hart genug an dich glaubst, wirst du das Ziel erreichen!“. 

Für mich war es das erste Mal, dass ich mir ein Jahresziel gesetzt habe – und konnte daher auf keinerlei Erfahrungen bauen. Wie schon erwähnt war es auch mein erstes Jahr als Selbstständige – also hatte ich auch hier keine Ahnung, wie meine Einnahmen über’s Jahr hinweg überhaupt realistischerweise aussehen würden.

Aber egal. Ziel setzen, am Besten noch aufschreiben (täglich!) und schön groß, gespickt mit vielen Bilder und motivierenden Zitaten an’s Vision Board kleben. Die Stories von Leuten, die es ebenso gemacht und dann ihre Ziele erreicht haben, sind dir sicher bekannt. Eine Coachin, die sich ein Datum in der Zukunft setzt – und genau an diesem gesetzten Datum, drei Jahre später, ihren ersten Buchvertrag erhält. 
Eine Autorin, die jeden Tag visualisiert hat, auf der Bestseller-Liste zu landen – und dies kurz darauf erreicht!
Ganze Bücher über die Kraft der Anziehung werden mit solchen Beispielen gefüllt.

Aber was ist mit den Leuten, die auch jeden Tag ihre Ziele aufschreiben. Die auch Vision Boards haben, ebenfalls kräftig auto-suggestieren und natürlich hart arbeiten – die ihre tollen Ziele, warum auch immer, aber nicht erreichen?

Die geben kleinlaut bei. Stecken die Niederlage weg, hoffentlich ohne sich allzu viele Gedanken darüber zu machen.

Ich bin nicht so

2016 wollte ich zum ersten Mal einen Marathon laufen. Habe allen davon erzählt, es an die große Glocke gehangen. Es hat damals nicht geklappt, weil ich zu viel Arbeit hatte. Aber dieses Ziel war seither immer in meinem Kopf: ich wollte die 42km schaffen. 

Und nicht irgendwie, richtig gut natürlich!

Ich habe also fleißig trainiert. Ich liebe das laufen, bin gerne in der Natur und für mich. Finde es großartig, wie weite Strecken man über Berge und Täler nur durch die eigene Kraft zurücklegen kann.

Aber ich bin auch eine, die läuft, bis sie sich fast übergeben muss vor Anstrengung. Die sich zu stark innerhalb kurzer Zeit steigert und sich überfordert. Die sich so viel Druck macht, super Zeiten zu erreichen, dass der Spaß auf der Strecke bleibt. Die so wenig auf ihren Körper hört, dass sie mit blutigen Zehennägeln und kaputten Knien endet. Das hat mir letztes Jahr mehrere Monate Schmerzen, eine lange Laufpause und Physiotherapie eingebracht. The struggle is real.

Was ich nach der Knieproblematik erkannt habe? Es kann so nicht weiter gehen (no pun intended).

Ähnlich ging es mir Ende 2018 mit meinen Business-Zielen: die wenigsten werden es mitbekommen haben, aber gegen Ende des Jahres war ich ebenfalls am Ende. Ich habe mich gefühlt wie ein Loser, weil ich mein mir selbst gestecktes finanzielles Ziel (um Längen) nicht erreicht habe. 

Ich dachte, das Universum ist gegen mich. Dass ich zu blöd bin, um ein Business zu führen. Und andere nette Dinge, die man sich in solchen Lebenslagen eben selbst zumurmelt. 

Das Vision-Board verspottete mich. Die Tagebücher, in denen ich akribisch jeden Tag meine Vision und meine Ziele notierte, verachtete ich. Und schätzte meine eigene Arbeit nicht mehr.

Um welche konkrete Summe es dabei geht, kann ich noch nicht mal nennen – zu frisch ist das alles noch. 

Dabei habe ich das ganze Jahr hart daran gearbeitet, dieses Ziel zu erreichen. Habe ständig das Gefühl gehabt, als würde ich einen Marathon laufen. Aber statt normalem Boden, hatte ich zusätzlich ein Laufband auf der Wegstrecke. Ich auf dem Laufband, wie eine irre dem Ziel entgegen ackernd, das 42km entfernt lag. Ich gab Gas, kam aber nicht voran. 

Während sich das Laufband unter mir so gar nicht in Richtung Marathonziel bewegte, wurde ich immer erschöpfter, und das Ziel immer unerreichbarer. 

Ich weiß, die Metapher ist furchtbar (vor allem da ich Laufbänder hasse!), aber beschreibt ganz gut das Gefühl, das ich beim Arbeiten hatte. 

Dieses Jahr habe ich keine Lust mehr auf blutige Zehen. Ich will Leichtigkeit. Steige also von diesem unsäglichen metaphorischen Laufband.

Ich hab ganz offensichtlich noch nicht gelernt, wie die richtige Balance ist zwischen Zielen, die fordern und motivieren. Und andererseits Zielen, die realistisch gesteckt sind und nicht zu viel Druck aufbauen. 

Vielleicht lerne ich diese Balance irgendwann. Ich brauche aber erst Mal eine Verschnaufpause.

Schön und gut, aber warum erzähle ich das alles? Ich möchte dafür sensibilisieren, dass man sich mit überhöhten Zielen und dementsprechenden Erwartungen auch Schaden kann. Und klar machen, dass es total ok ist, auch ohne überbordende Ambitionen vor sich hin zu arbeiten. Denn das mache ich total gerne.

Und es gibt Alternativen zu Zielen. Meilensteine zum Beispiel.

Übrigens laufe ich auch wieder, aber ohne Ziel, nur zum Spaß.

Hast du dir für 2019 Ziele gesetzt? Und wenn ja, wie bist du dabei vorgegangen?

  1. Elena Patzer

    Hallo Maggie, ich finde den Beitrag super geschrieben! Hat echt Spaß gemacht zu lesen 🙂

    Ich bin auch keine Zielsetzerin und konnte deinen Wandel total nachvollziehen. Mit wagen Wünschen fürs Leben & Business bin wohl der Albtraum aller Coaches. Aber ich fahre damit sehr gut und erhalte mir so die Leichtigkeit, von der du sprichst. Also – für mehr Mut, sich mal nicht von vorne bis hinten durchzuoptimieren! 😉

    • Danke dir liebe Elena für den Kommentar! Dann bist du ja ein gutes Beispiel für fröhliche Ziellosigkeit 😉
      Genauso werde ich es dieses Jahr auch machen.

      Lieber Gruß!
      Maggie

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