stahlpink Verletzlichkeit macht stark Brene Brown #weggelesen

#weggelesen: “Verletzlichkeit macht stark”

Total zerlesen, rotwein- und kaffeebesudelt und mehr Post-Its drin als Sinn machen. So sieht mein Exemplar von “Verletzlichkeit macht stark” von Brené Brown aus. Ich hatte es wochenlang auf dem Nachttisch liegen, habe es über Weihnachten mit in die Heimat genommen und dann doch nicht rein geguckt.

Ich glaube, es gibt richtige und falsche Zeitpunkte um ein Buch zu lesen. Der falsche Zeitpunkt ist, wenn es sich schwer anfühlt, ich eine innere Blockade habe und den Drang, alles andere zu tun (Instagram durchchecken, Wohnung putzen, lange abendliche Gespräche mit meinem Freund) anstatt dieses eine Buch anzugehen.

Immer wusste ich, dass es keine leichte Lektüre wird, dass mir Erkenntnisse kommen werden und ich Ansichten über mich und andere danach umräumen muss. Und solche Denkvorgänge sind anstrengend, deshalb habe ich anfangs nur immer mal wieder drin gelesen. Bis es mich so gefesselt hat, dass ich es kaum noch weg legen konnte. Da war er dann wohl endlich: der richtige Zeitpunkt für das Buch.

What was the problem?

In Brené Brown Buch geht es um Verletzlichkeit, Scham, Perfektionismus, den Drang sich ständig abzulenken. Damit hält sie einen Spiegel vor alle tüchtigen Abwehrmechanismen, die wir uns aufgebaut haben.

Das ist etwas beängstigend, aber hey: auch so was von bereichernd. Und wichtig. Ich hatte während des Lesens einige Erkenntnisse und aha-Erlebnisse. Sie hat mit einer Abrisskugel namens Verletzlichkeit Mauern in meinem Kopf umgeworfen.

Worum geht’s in dem Buch?

Brené Brown schreibt über Verletzlichkeit und alles, was damit einhergeht. So geht es auch um unsere Kultur des Mangels und ein großer Teil dreht sich um Scham. Sie deckt verschiedene Mythen rund um die Verletzlichkeit auf, zum Beispiel Verletzlichkeit mit Schwäche gleich zu setzen. Und zeigt eine ganze Bandbreite an Schutzschilden, die wir uns zulegen, um uns vor der Verletzlichkeit zu schützen.

Brené Brown ist Wissenschaftlerin. Sie forscht zu Verletzlichkeit, Scham, Authentizität und innere Stärke und ihre Art, ihre Forschungsergebnisse durch das Buch zu teilen, und gleichzeitig auch sich selbst zu offenbaren, indem sie von Suchttendenzen berichtet oder wie sie auf Ideen für Forschungsfragen kommt – das ist genial. Wissenschaft gepaart mit Persönlichkeit – ich mag ihre sensible Art zu schreiben sehr gern.

Sie wechselt super von Erkenntnissen zu Anekdoten, sodass der Leser zwischen schwierigen Definitionen und Erzählungen super mal durchatmen kann.

So gibt es einige Stellen, die so dicht geschrieben sind, dass ich das Buch auch mal frustriert weg gelegt habe. Dann gibt es aber auch Passagen, die für mich so erkenntnisreich waren, dass ich das Gefühl habe, sie immer noch nicht ganz erfasst zu haben und ich somit große Lust habe, sie in einigen Monaten erneut zu lesen, in der Hoffnung, dass sie mir dann etwas ganz anderes mitteilen werden. Klingt etwas schizophren, aber ich denke, dass sich Menschen wandeln und möglicherweise betrachte ich aktuelle Situationen in einigen Monaten mit der nötigen Distanz und kann dann durch das Buch wieder etwas Neues lernen. Ich weiß nicht, wie du tickst, aber mein Köpfchen hat die Eigenschaft, unliebsame Anstöße auszublenden und aus der Erinnerung zu verdrängen. Also werde ich mir das Buch auf jeden Fall erneut ran nehmen.

Aber es gab einige Erkenntnisse, die in mir so ein großes Aha erzeugt haben, dass ich sie unmöglich vergessen oder verdrängen kann. Sie beschreibt zum Beispiel, wie Männer Verletzlichkeit zeigen und Scham empfinden. Damit offenbart sie uns Einblicke in männliche Denkvorgänge, die ich so noch nicht kannte und die sich bisher kein Mann getraut hat, vor mir zu offenbaren.

Oder sie deckt verschiedene Schutzschilde auf, die uns vor Verletzlichkeit schützen sollen: Perfektionismus, emotionale Betäubung oder der Mechanismus, der eigenen Freude nicht zu trauen. Ich dachte es geht nur mir so: die ständige diffuse Angst, dass etwas Schlimmes passieren könnte. Wenn die Eltern nicht an’s Handy gehen: Telefonterror, da muss was passiert sein, sonst würden sie ran gehen. Wenn mein Freund sich verspätet: vor’m Fenster warten, nicht einschlafen können. Wenn etwas Tolles passiert: die Gewissheit, dass es ab jetzt bergab geht. Es ist furchtbar, aber Dank Brené weiß ich nun, dass ich nicht spinne (höchstens ein bisschen) und das ein normaler Effekt ist. Glücklicherweise gibt sie auch Strategien dazu, wie man sich von diesen fiesen Schutzschilden befreien kann.

Was meint die gute Frau denn mit „Verletzlichkeit“?

Brené Brown meint damit, sich trotz aller Ängste und Zweifel mutig zu zeigen und in die „Arena“ zu treten, wo möglicherweise Kritik und Spott warten. Man macht sich also verletzlich. Sie deckt aber auch auf, wie wichtig es ist, sich verletzlich zu zeigen, um Großes zu wagen.

Ich selbst kenne Designer, die mit ihren Ideen nicht in die Öffentlichkeit treten wollen. Die möglicherweise ihren Selbstwert an ihre Kreationen knüpfen, und für die Kritik fatal wäre, da es sie in ihrer Persönlichkeit treffen würde (bitte lest dieses Buch). Oder Personen, die so in Scham über Vergangenes leben, dass sie sich immer noch dafür fertig machen. Brené Brown beschreibt Scham als „Innovationskiller“ – zu Recht. Hätte Thomas Edison sich dafür geschämt, dass er jahrelang Müll fabriziert, wäre die Glühbirne nicht erfunden worden. Hätte Coco Chanel sich dafür geschämt, dass sie aus armen Verhältnissen stammt, gäbe es ihr Label nicht. Und hätte Joanne K. Rowling sich dafür geschämt, dass sie eine arbeitslose Lehrerin ist – naja du weißt worauf ich hinauswill. Man muss über der Scham stehen, Selbstwert entwickeln, hinter die eigenen Schutzschilde blicken und durchstarten.

Wer mir folgt und wer mich kennt, weiß, dass ich mich auch verletzlich zeige und mit meiner Geschichte raus gehe. Dass das gut und richtig ist, hatte ich von Anfang an im Gefühl, aber Brené hat es mir mit diesem Buch bestätigt.
Und das Buch hat mich mit Erlebnissen versöhnt, die mir privat passiert sind: in denen ich mich verletzlich gezeigt habe und die aber gründlich schief gelaufen sind.

Lieblingsstelle?

Brené Brown ist eine Meisterin der kurzen, prägnanten Definitionen und Listen. Sie schafft es, Dinge verständlich zu machen, selbst schwierige, meist abstrakte Begriffe wie zum Beispiel die Liebe. Hier ihre Liste zum Thema Perfektionismus:
“- Perfektionismus ist ein selbstzerstörerisches und suchtartiges Glaubenssystem, das dem zugrunde liegenden Gedanken Nahrung gibt: ‘Wenn ich perfekt aussehe und alles perfekt mache, kann ich die schmerzbesetzten Gefühle von Scham, Beurteilung und Tadel vermeiden oder minimieren.’
– Perfektionismus ist selbstzerstörerisch, einfach weil es keine Perfektion gibt. Sie ist ein unerreichbares Ziel. Bei Perfektionismus geht es eher darum, wie wir wahr genommen werden, als um unsere innere Motivation, und es gibt keine Möglichkeit, diese Wahrnehmung zu kontrollieren, ganz gleich, wie viel Zeit und Energie wir auf den Versuch auch verwenden mögen.
– Perfektionismus hat Suchtpotential, denn sobald wir irgendwann – was unweigerlich geschieht – Scham empfinden, beurteilt und getadelt werden, glauben wir, das läge an unserer mangelnden Perfektion. Statt die falsche Logik des Perfektionismus in Frage zu stellen, verbeißen wir uns noch mehr in das Bestreben, ‘richtig’ auszusehen und alles ‘richtig’ zu machen.
– …”

Also, was bringt mir das Buch?

Wenn du dich dabei erwischt, dich zu fragen, was andere über dich denken. Wenn du gerne etwas eigenes starten möchtest, aber noch nicht den richtigen Mut aufbringst, weil innere Blockaden dich zurück halten. Oder  du unter mangelndem Selbstwert leidest.
Dann lies das Buch, es beantwortet dir alle diese Fragen. Ich bin mir sicher, dass jeder andere Erkenntnisse aus dem Buch mitnimmt – und das ist total schön.

Ist es mega oder nicht?

Fünfzehn Jahre Forschung zum Thema Verletzlichkeit, die Essenz aus tausenden von Gesprächen verständlich zusammen gefasst. Ja, es ist mega!

Fazit

Ein sehr lesenswertes Buch, das mir viel über mich selbst und andere Menschen beigebracht hat. Und mir gezeigt hat, wie wichtig es ist, anderen Menschen emphatisch zu begegnen. Jeder von uns benutzt Schutzschilder. Jeder hat Angst, verletzt zu werden. Das zu wissen ist eine große Erkenntnis. Selbstwert und der richtige Umgang mit Scham werden nicht angeboren, wir müssen das üben – zum Beispiel mit Hilfe von Brené Buch.

Brené Brown entwickelt sich langsam aber sicher zur Kult-Autorin. Hast du auch schon ein Buch von ihr gelesen?

Hinweis: Dies ist ein redaktioneller Beitrag, er enthält Werbung (da Markennennung oder Verlinkung), aber unbezahlt und unbeauftragt.

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