#megamutig-Podcast jung, weiblich

Weiblich, jung, nicht ernst zu nehmen?– #megamutig-Podcast / Woche 40

Sich als junge Frau beruflich durchzusetzen ist immer noch ein hartes Eisen. Was für Erfahrungen ich gemacht habe und vier Denkanstöße um dir aus einer ähnlichen Situation zu helfen gibt es in der neuen Folge des #megamutig-Podcasts.

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Shownotes:

Blogbeitrag “Bist du Froh, eine Frau zu sein?”

 

Transkript der Folge:

Hi Leute, willkommen zum megamutig-Podcast.

Ich bin Maggie und ich habe ein Experiment gestartet: ich mache mich selbstständig. Und ich nehme euch in meinem ersten Jahr mit. 

Ich habe nämlich gemerkt, dass viele in meinem Umfeld diesen Schritt mega mutig fanden und das bei vielen Fragen aufgeworfen hat. Vielleicht kann ich den einen oder anderen inspirieren oder aber als Negativbeispiel dienen, je nach dem, wie sich das Jahr noch entwickelt. stahlpink heißt das Label, das ich als Produktdesignerin gegründet habe und auch über dieses Herzensprojekt berichte ich im #megamutig-Podcast.

Willkommen zu Woche 40

Wer mir auf Instagram folgt, hat es über die Stories schon mitbekommen: ich habe letzte Woche leider ziemlich schlechte Erfahrungen mit einem Hersteller gemacht. Ich arbeite momentan an neuen stahlpink-Produkten und bin in der Designphase, wo ich verschiedene Varianten herstelle und nach Möglichkeiten suche, meine Ideen umzusetzen. 

Weil ich ein kleiner Öko und außerdem ein Freund davon bin, regionale Unternehmen zu fördern, habe ich mich also letzte Woche auf den Weg gemacht, um einem Hersteller einen persönlichen Besuch abzustatten – eben weil ich auch noch gerne über die verschiedenen Fertigungsmöglichkeiten beraten werden wollte und weil ich mir ein Bild machen wollte. 

Leider verlief das Gespräch gar nicht gut. Ihr müsst euch vorstellen, dass ich in ein altehrwürdiges Gebäude kam, das schon von außen ziemlich abweisend war und wurde dann in einem holzgetäfelten Wartezimmer platziert. Mit Autozeitschriften auf dem Tisch. 

Eigentlich hätte ich jetzt schon flüchten müssen. Aber ich bin doch geblieben. Und nach einigem Warten kam auch ein Herr, um mit mir zu sprechen. 

Ihr müsst wissen, dass ich Industriedesign studiert habe. Dass mein Papa eine eigene Metallwerkstatt führt und dass ich mich also ganz gut mit den Fertigungsmethoden auskenne. 

Außerdem habe ich schon sehr oft etwas fertigen lassen, für das Studium oder um etwas zu Verkauf herstellen zu lassen. Das war also nicht das erste Mal, dass ich so ein Gespräch führte. Ich war auch gut vorbereitet, hatte ausgedruckte Vektorskizzen dabei und mir schon ein paar Vorstellungen davon gemacht, was ich wissen wollte.

Aber der Typ mir gegenüber wusste das alles nicht. Und er hat mich überhaupt nicht ernst genommen.

Er war sehr von oben herab, hat erst damit angefangen, mir seine Produktionsverfahren wie auswendig gelernt zu erklären. Und ließ sich darin auch nicht bremsen. Also die ersten fünf Minuten des Gesprächs kam ich kaum zu Wort. Und dazu hatte ich den Eindruck, dass er mir die Fertigung ausreden wollte.

Ständig hat er gesagt, dass das und das ja Geld kostet. Diese Möglichkeit kostet Geld. Diese Fertigungsweise kostet auch Geld. Und dabei das Geld so komisch betont. 

Dabei ist mir ja klar, dass das alles Geld kostet. Ich bin ja nich blöd. Und will auch nicht, dass mir jemand etwas schenkt.

Dann wollte ich natürlich wissen, wie teuer das denn ungefähr werden würde, wenn er schon ständig so komisch von Geld spricht. Ob er mir da keine Zahlen nennen könnte. Konnte er nicht. Und hat mir die günstigsten Varianten erklärt, die aber überhaupt nicht meinen Vorstellungen entsprachen. 

Ich fand das einfach unverschämt. Und ich habe gemerkt, wie sein Verhalten mich langsam wütend machte.

Als ich ihn dann fragte, ob es möglich sei, bestimmte Farben einzusetzen und seine Antwort wieder war: „Ja, aber das kostet Geld!“ (ohne mir eine konkrete Summe nennen zu können), ist mir fast die Hutschnur geplatzt. Oder eher das Birkenstock-Riemchen. 

Ich hab ihm also gesagt, dass ich das alles nicht zum Spaß mache. Dass ich möchte, dass die Produkte gut werden und meinen konkreten Vorstellungen entsprechen, auch wenn das G E L D kostet. 

Dass ich studierte Designerin bin, nicht zum ersten Mal etwas produzieren lasse und wie hoch meine Stückzahl ist. Dadurch, dass ich ihm das alles gesagt habe, habe ich deutlich gemerkt, dass er doch ein wenig mehr Respekt bekommen hat.

Und er war nicht mehr ganz so arg von oben herab. Hat mich mehr zu Wort kommen lassen und das mit dem komischen Betonen des Wortes Geld auch sein gelassen, als ihm klar wurde, dass er mir einfach ein Angebot schreiben kann. 

Auf dem Rückweg war ich einfach nur durch mit der Welt. Dieses konkrete Gespräch war schon blöd genug. Aber das hat in mir erneut alle Situationen hoch gebracht, in denen ich schon so von oben herab behandelt worden bin und nicht ernst genommen wurde. 

Ich habe mich auf dem Rückweg gefragt, ob meine Kleidung das Problem gewesen ist? Ich war nicht wie eine Business-Frau angezogen, ich bin einfach weil es sehr heiß war, in einer luftigen Hose mit Tanktop und Birkenstocks und Sonnenbrille bei der Produktionsfirma vorbei gegangen. 

Aber um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass er mich viel ernster genommen hätte, wenn ich sehr formal angezogen gewesen wäre. Außerdem entspricht mir das auch einfach nicht. 

Dann war natürlich die naheliegende Frage: war mein Geschlecht ein Problem? Solche produzierenden, altehrwürdigen Firmen sind ein männerdominiertes Feld, vielleicht hat er mehr mit Männern zu tun als mit jungen Frauen. Vielleicht war ich die allererste junge Frau, die etwas bei diesem Hersteller angefordert hat. Die Autozeitschriften auf dem Tisch deuten darauf hin. 

Aber eigentlich ist es egal. Ich werde weder meine Kleidung noch mein Auftreten ändern. Ich mag mich wie ich bin, und vergesse leider immer wieder, dass einige, leider vor allem Männer, manchmal komisch reagieren. Das passiert mir nicht oft, es gibt genügend Männer, die mich auch in Projekten sehr ernst nehmen. Aber es passiert doch. 

Also, was kann man in solchen Fällen tun? Ich versuche ja immer in meinen Podcast-Folgen noch Tipps einzubauen. Aber in solchen Situationen, die natürlich sehr individuell und unterschiedlich sind, ist es sehr schwer.

Aber vielleicht kann ich dir einige Denkanstöße mitgeben.

– der Typ ist das Problem, nicht du. Jemand kennt dich gar nicht und behandelt dich von oben herab? Dann liegt das Problem bei ihm: denn er hat dich falsch eingeschätzt, aufgrund seiner falschen Einordnung hat er dich in die falsche Schublade gesteckt. Also nimm das auf keinen Fall persönlich! Was auch immer bei ihm schlief läuft, oder in der Vergangenheit schief gelaufen ist, was auch immer er für ein Macho-Gehabe darstellen muss, um sich nicht wie ein Würmchen zu fühlen, es ist sein Problem, nicht deins. 

Ja, du hast darunter zu leiden, wenn dich jemand doof behandelt. Aber nimm es so gut es geht nicht persönlich, dass dir jemand von vornherein jegliche Kompetenz abspricht. 

Er weiß es einfach nicht besser. Ich habe, vor allem seit ich von zu Hause weg bin und versuche, mein eigenes Ding zu machen, so viel Bullshit von Männern gehört. Männer, die bedröppelt sind, weil ich doch kein Prinzesschen bin, auch wenn ich sehr feminin bin. Männer, die mir nichts zutrauen und mich das spüren lassen. Typen, die deutlich ihre Männlichkeit demonstrieren und sich dadurch gut fühlen und mich – das Mädel, von oben herab behandeln. Ich hab das schon so oft durch und ich habe bisher daraus gelernt: es ist nicht meine Schuld, es ist die Schuld dieses Mannes, dass er durch sein Gehabe meint, mir demonstrieren zu müssen, dass er dicke Eier hat oder dass ich weniger wert bin, nur weil ich eine Frau bin. 

Also: nicht ärgern, nur wundern. 

– so von oben herab behandelt zu werden ich total falsch. Egal in welcher Situation. Man kann keinem Menschen Respekt absprechen, nur weil der Mensch ein bestimmtes Geschlecht hat (oder Nationalität, ein bestimmtes Alter, whatever). Wenn das passiert, ist es wichtig das zu merken und vielleicht so wie ich darauf zu reagieren und etwas zu sagen. Wenn es nicht anders geht, muss man sich den nötigen Respekt einfach verbal einfordern. Das habe ich gelernt, weil ich früher nichts zu solchen Behandlungen gesagt habe und das nachträglich immer bereut habe. 

Steh für dich selbst ein, lass dich nicht kleiner machen als du bist.

– sei dir sicher, du bist damit nicht allein damit. Klar, es ist kein Trost, aber vielleicht hilft dir das doch irgendwie zu wissen, dass es schon so, so vielen Frauen passiert ist. Als ich von diesem furchtbaren Gespräch nach Hause gekommen bin, habe ich erst mal eine Instagram-Story abgesetzt und darüber geklagt. Und zurück kam eine Welle von Nachrichten von anderen Frauen, die ähnliches auch schon erlebt haben. Die mir Mut gemacht haben und mir geraten haben, bloß den Kontakt zu diesem Hersteller nicht wieder aufzunehmen. 

Auf meinem Blog habe ich vor Monaten den Artikel „Bist du froh, eine Frau zu sein?“ veröffentlicht. Darin geht es, kurz gesagt, darum, dass wir es uns als Frauen manchmal selbst ganz schön schwer machen. 

Und dieser Artikel ist mit sehr, sehr großem Abstand der am meisten gelesene Artikel auf meinem Blog und wird auch immer noch viel gelesen, obwohl er schon älter ist. Jedes Mal, wenn ich in die Statistiken gehe und gucke, fällt mir das auf.

Und ich kann erkennen, welche Suchphrasen Nutzer eingeben, bevor sie auf meinen Blog kommen. Und ganz vorne dabei sind Leute, die über Suchanfragen wie „Dominante Männer was tun“ oder „Umgang mit dominanten Männern“, „Umgang bei dominantem Verhalten“ – in allen verschiedenen Varianten, auf meinen Blog kommen. Und das finde ich so erschreckend. Ich würde diesen Frauen so gerne helfen, aber wie?

– gehe mutig voran. Meine Hoffnung ist, damit anderen jungen Frauen einen Weg zu ebnen, auch indem ich diese Story erzähle. Und diesem rückständigen Hersteller demonstriere, dass man auch in Tanktop und Birkenstock-Outfit eine toughe, selbstbewusste Frau sein kann. Dass auch junge Frauen Ahnung haben, ein eigenes Business haben und Achtung: Geld dafür ausgeben. 

Es ist ungerecht, allein aufgrund des Alters und des Geschlechts anders behandelt zu werden und nicht ernst genommen zu werden. Aber so ist die Welt momentan einfach noch, auch wenn es furchtbar traurig ist. Und indem wir den Mund aufmachen, uns beschweren und auch mal wütend die Meinung sagen – oder wie in meinem Fall, sich vielleicht einen anderen Produzenten suchen. 

Ich möchte noch dazu sagen, dass natürlich nicht alle Männer so sind. Ich habe so viele tolle junge Männer in meinem Freundeskreis, die Feministen sind, ihre Partnerinnen super unterstützen und bei denen Gleichstellung überhaupt kein Thema ist, einfach weil es selbstverständlich ist. Ich liebe Männer, die so sind. Aber hier und da gibt es einfach noch Ausnahmen, die umso negativer auffallen. 

Und das Gute an der Selbstständigkeit ist: wir können uns aussuchen, mit wem wir arbeiten. Klar fließen auch noch andere Faktoren in die Suche nach Business-Partnern, wie Kosten und Zuverlässigkeit. Aber Vertrauen spielt auch eine große Rolle.

Ich habe übrigens tatsächlich ein Angebot von dem Hersteller angefordert und versuche nun ganz sachlich, vielleicht auch ein bisschen von oben herab, mit ihm weiter zu kommunizieren. 

Aber es gibt auch noch Alternativen, deswegen bin ich nicht auf ihn angewiesen. Und das ist ein gutes Gefühl.

Damit verabschiede ich mich in die neue Woche und hoffe, dass ihr eine tolle Woche habt! Meine Woche könnt ihr übrigens versüßen, indem ihr auf meiner Seite www.stahlpink.de vorbei guckt, mir auf Instagram folgt oder eine Rezension auf iTunes hinterlasst. 

Bis zum nächsten Mal beim #megamutig-Podcast! 

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