stahlpink Wie ich meine Ängste (fast vollständig) verloren habe

Wie ich meine Ängste (fast vollständig) verloren habe

Das Thema irrationale Ängste war lange Zeit sehr präsent. Welche Methoden und Bücher mir dabei geholfen haben, positiver zu werden und die Ängste hinter mir zu lassen, dazu mehr im Beitrag!

diese Woche war hart für mich. Ein Freund von mir liegt im Krankenhaus und hat sich vier Tage lang nicht gemeldet. Und das, nachdem er uns Bescheid gegeben hat, dass er am offenen Herzen operiert wird.

Vielleicht kennst du das auch: ich bekomme in solchen Situationen Angst. Und zwar nicht nur eine leichte Sorge, sondern die volle Wucht körperlicher Angst.

Als Kind lag ich des öfteren nachts wach, wenn meine Eltern bei Freunden unterwegs waren. Und war mir SICHER, dass sie in einem Autounfall gestorben waren. Ja, ich war felsenfest davon überzeugt. Lag mit dem vor Tränen durchtränkten Kissen in meinem Kinderzimmer in Vorahnung all des Leids, das nach der bestätigenden Nachricht erst noch über mich kommen würde. 

Dabei sind diese Befürchtungen niemals eingetroffen. Meine Eltern sind topfit und machen grad Urlaub auf Kuba. Und machen mich mit ihren Strandfotos neidisch. 

Denn so ist es doch meistens: die Angst ist vergeblich. Das, was die Angst uns eingibt, ist nicht wahrscheinlich und (zumindest bei mir) sehr irrational. Gleichzeitig macht die Angst sehr kreativ.

Im aktuellen Fall diese Woche lag ich ebenfalls nachts wach. Und stellte mir furchtbare Operationsszenen vor: ein geöffneter Brustkorb, viel Blut, ein chirurgisches Problem, das nicht vorhergesehen werden konnte und zum sicheren Tod führt (ich habe in letzter Zeit wahrscheinlich zu viel Grey’s Anatomy geguckt). 

Und ich stellte mir schon vor, was ich zur Beerdigung tragen würde (lieber die dunkelblaue oder die neue schwarze Daunenjacke?). Neben diesen unpassenden Gedanken machte ich mir schon eine mentale Liste, wem ich alles im weiteren Freundeskreis die traurige Nachricht weiter geben müsste. Und während mein Gehirn mich schon mal auf das Ereignis vorbereitete, mir schon mal eine todo-Liste machte, war ich gleichzeitig so traurig, als wäre das fatale Ereignis schon gewiss. Ich war zittrig und mir war übel und natürlich konnte ich nicht schlafen. 

Das ist natürlich ein krasses Beispiel. Aber auch unter “alltäglicheren” Ängsten kann man stark leiden. Als Studentin hatte ich vor sozialen Kontakten Angst. Konsultationen bei Professoren versetzten mich in Angst und Schrecken. Präsentationen konnte ich nur mit einer Mischung aus Hochmut und Gleichgültigkeit durchstehen. Ich baute mir dicke Schutzschilde aus diesen zwei Attributen, weil ich den kreativen Szenarien, die mir mein Kopf vorgab, voll und ganz glaubte. Doch das macht ganz schön einsam.

Ich hatte Angst, vor Menschen zu sprechen – weil ich Angst hatte etwas Blödes zu sagen. Was würde die Person dann von mir denken?! Hinterher habe ich mir stundenlang vorgeworfen, mich falsch ausgedrückt zu haben oder dass es dumm war, was ich gesagt habe. 

Angst war mir also lange ein treuer Begleiter. Bis ich sie angepackt habe. Und hier sind einige Methoden, die ich regelmäßig anwende, gespickt mit Zitaten aus Büchern, die dir bestimmt auch helfen werden, wenn du so wie ich ein Angsthase bist!

1. Gedankenspiralen unterbrechen/ hinterfragen.

Wenn mein Kopf mal wieder meint, in Gedankenspiralen zu verfallen, dann sage ich bewusst STOP! Und frage mich, wie wahrscheinlich es ist, dass das befürchtete Ereignis eintritt. Rational gesehen liegt mein Kumpel doch in einer Spezialklinik, die sich bestens mit diesen Operationen auskennt. Wahrscheinlich muss er nach Narkose und OP einfach erst mal schlafen und meldet sich deshalb nicht (tatsächlich hatte er auf der Intensivstation einfach nur Handyverbot).

Doch auf so klare Gedanken kommt ein sorgenvolles Gehirn nur schwer. Mir hat besonders Meditation geholfen, für mehr Klarheit im Kopf zu sorgen. Dabei werden Gedanken als Wolken gesehen – und der freie Kopf als blauer, klarer Himmel. Die Wolken lässt man vorbei ziehen und wenn doch mal ein Gedankensturm aufkommen sollte – kann man sich immer gewiss sein, dass dahinter ein blauer Himmel ist.

„Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an.“ Marc Aurel

2. Affirmationen.

„Unser Unterbewusstsein ist ‘programmierbar’ – oder freundlicher formuliert – lernfähig. (…) Durch wiederholte positive Bestätigungen beeinflusst du deine selektive Wahrnehmung und veränderst die Filter deines Unterbewusstseins. Die Realität ist nämlich immer nur das, was dein Unterbewusstsein durchlässt und du somit bewusst wahrnimmst. 

Durch die ständige, nachdrückliche Wiederholung positiver Glaubenssätze wird der Fokus des Unterbewusstseins darauf gelenkt, sich auf neue, positive Ziele zu konzentrieren. Was nicht dazu passt, wird nach und nach ausgesiebt und ignoriert. (…) Wir müssen unser Gehirn in einer Art Dauerbeschallung eintrichtern, dass von nun an andere Regeln gelten.“ (Melina Royer, „Verstecken gilt nicht“, Seite 160f)

Bei mir sehen die positiven Affirmationen so aus, dass ich mir klar mache, was ich gut kann und mir bewusst vor Augen führe, welche Dinge ich am Vortag geleistet habe. Das mache ist integraler Bestandteil meiner Morgenroutine geworden. Da mein Köpfchen nach jahrelanger negativer Beschallung („Ich kann gar nichts“, „Aus mir wird nichts“ usw.) etwas mürbe geworden war, habe ich schon innerhalb kurzer Zeit eine positive Veränderung bemerkt. Und ich bin nun viel selbstbewusster und habe mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten. Eine gute Ausgangsbasis gegen Angst. 

Beispiele positiver Affirmationen:
„Ich vertraue mir“
„Es ist genug für alle da“
„Ich liebe mein Leben“
„Ich bin erfüllt und grenzenlos“
(Laura Malina Seiler „Mögest du glücklich sein”, Seite 120ff)

3. Dankbarkeit.

Meine Lieblingswunderwaffe. Wir erkennen „durch das Bezeigen von Dankbarkeit an, dass ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen und wir gut genug sind.“ (Brene Brown „Verletzlichkeit macht stark“, Seite 152).

Seit ich erkannt habe, wie toll es ist, lieber das zu sehen, was ich habe, anstatt immer nur die Makel, bin ich glücklicher. Klar hatte ich eine schwierige Zeit im Studium. Habe es trotzdem abgeschlossen und mit einem Einser Schnitt. Dafür bin ich jeden Tag dankbar. Und auch das ist zum täglichen Achtsamkeitsmoment geworden: mir klar zu machen, worfür ich dankbar bin. 

Brene Brown beschreibt in ihrem Buch „Verletzlichkeit macht stark“ die Methode, sich in Momenten der Angst klar zu machen, wofür man dankbar ist. Statt „Ich habe Angst, dass meinen Kindern auf dem Auslug etwas passiert“, sagt sie sich „Ich bin dankbar, dass die Kinder auf dem Ausflug die Umgebung erkunden können“. Das Gefühl der Dankbarkeit schlägt die Angst. Yeah! 

Und so ist es auch bei mir. Statt: „Oh nein, ich habe vorhin in dem Gespräch etwas Dummes gesagt und nun stehe ich da wie eine Idiotin“ sage ich mir: „Ich bin dankbar, dass er/sie sich Zeit für ein Gespräch mit mir genommen hat“. Statt „Er wird operiert und vielleicht sterben“ wird daraus „Ich bin froh, dass er in guten Händen ist und dass die Operation ihm helfen wird, gesund zu werden“.

Ich gebe zu, dass es in Situationen akuter Angst einiges kostet, den Gedanken eine neue Richtung zu geben. Angst ist körperlich, mir wird schlecht und ich werde zittrig. Zu den angstvollen Gedanken  auch noch an diese Methode denken? Scheint erst mal unmöglich. Aber durch Übung wird es leichter, versprochen!

Auch ich bin in akuten Situationen nicht vor irrationalen Ängsten gefeit. Aber insgesamt weiß ich nun viel besser, wie ich damit umgehen kann.

mehr dazu auf stahlpink:
“Zukunftszweifel ade!”
“Morgen in einem Jahr – meine Lieblings-Visualisierungsmethoden”

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